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Verstopfung und Unverträglichkeiten

Sturmalarm im Darm: Wenn im Bauch ein Unwetter aufzieht
Verstopfung und Unverträglichkeiten

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Der Wetterbericht sagt ein neues Sturmtief voraus. Mit Karacho steuert es auf Ihren Darm zu. Auslöser für den Tornado ist der leckere französische Käse vom Abendbrot. In Windeseile löst Ihre Unverträglichkeit Verstopfung, Blähungen und Durchfall aus. Doch wie kommt das Unwetter zustande und was können Sie dagegen tun?

Vor dem Cappuccino war die Darm-Welt noch in Ordnung. Doch Schluck für Schluck braut sich ein Unwetter zusammen. Ein regelrechter Verdauungs-Sturm zieht auf. Mit zornigem Grummeln und lautem Rumoren wehrt sich das Sensibelchen gegen die cremige Milch. Sie hat hier nichts verloren. Aus Trotz stellt der kleine Rebell seine Verdauungs-Pflichten ein. Die nächsten Tage verabschiedet er sich in den Darm-Streik. Und dieser Streik hat es in sich. Plötzlich herrscht auf dem stillen Örtchen tote Hose – nichts geht mehr. Was hat der Darm-Sturm nur angerichtet und wie können Sie die Sturmschäden reparieren? Wir bringen Licht ins Dunkel. Erfahren Sie mehr über die häufigsten Nahrungsmittelintoleranzen, ihre Auswirkungen auf die Verdauung und was Sie bei Verstopfung durch Unverträglichkeiten tun können.

1. Die drei häufigsten Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Die Diagnose von Nahrungsmittelunverträglichkeiten ist oft wie ein Detektivspiel. Erst nach gründlichem Fährtenlesen kommen wir dem Darm-Feind allmählich auf die Schliche. Doch nicht selten wird der Übeltäter nie gefunden. Viele Intoleranzen bleiben unentdeckt – häufig aus Scham. Denn wer redet schon gerne über Lebensmittelunverträglichkeiten und Verstopfung? Wir reden gerne darüber. Dürfen wir Ihnen die drei häufigsten Intoleranzen vorstellen?

Platz 1: Laktoseintoleranz – wenn sich Milchzucker und Darm nicht ausstehen können

Der Spitzenreiter unter den Nahrungsmittelunverträglichkeiten ist die Laktoseintoleranz. Rund 15 bis 20 % der Deutschen sind betroffen. Die Nordeuropäer kommen mit nur ca. 5 bis 10 % noch am besten weg, wie eine Studie des University College London (UCL) und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) von 2009 beweist. Am meisten betroffen (in Europa) sind die Südeuropäer – dort sind zwei Drittel der Menschen laktoseintolerant. Auch in Afrika und Asien kann der Großteil der Menschen Milch und Milchprodukte nicht unbeschwert verdauen(1).

Doch was passiert eigentlich bei einer Laktoseintoleranz? Ganz einfach: Der Darm steht mit Milchzucker auf Kriegsfuß. Er beißt sich an ihm förmlich die Zähne aus. Schuld an der schwierigen Milchzucker-Darm-Beziehung ist das Verdauungsenzym Laktase. Der Körper hat einfach zu wenig davon. Und je weniger Laktase er zur Verfügung hat, desto machtloser steht er dem Milchzucker gegenüber.

Besonders wehrlos steht der laktoseintolerante Darm diesen Lebensmitteln gegenüber:

  • Milch und Kondensmilch
  • Molkepulver und Magermilchpulver
  • Eiscreme
  • Schmelzkäse
  • Milchschokolade

Platz 2: Fruktoseintoleranz – mein Feind der Fruchtzucker

Auf Platz zwei landet die Fruktoseintoleranz. Schätzungen der Fachgesellschaft für Ernährungstherapie und Prävention zufolge, stehen etwa 20% der erwachsenen Europäer mit Fruchtzucker im Dauerstreit(2). Auslöser für die nicht enden wollende Diskussion ist ein defekter Transportmechanismus durch die Darmwand. Dadurch kann der Dünndarm den Fruchtzucker nicht richtig aufnehmen. Der drückt den schwierigen Fall auf den Dickdarm auf. Seine Darmflora baut das Sorgenkind ab.

Verdauungsproblem gelöst? Leider nein, bei der Zersetzung entstehen fiese kleine Abfallprodukte, die den Magen-Darm-Trakt in Aufruhr versetzen. Da braut sich ein heftiger Sturm zusammen.

Vor allem nach dem Genuss dieser Lebensmittel zieht schnell ein Verdauungs-Gewitter auf:

  • Fruchtsäfte
  • Trockenfrüchte (z. B. Äpfel, Aprikosen, Pflaumen)
  • Obst (z. B. Birnen, Äpfel)
  • Hagebutte

Platz 3: Histaminintoleranz – auf Wiedersehen Käse, Wurst und Wein

Platz drei unter den Nahrungsmittelunverträglichkeiten geht an die Histaminintoleranz. Laut den Informationen des Gastroenterologie Portals gehören der Leidensgruppe rund 1 bis 2 % der westlichen Bevölkerung an(3). Grund für das Verdauungs-Schlamassel ist ein Missverständnis zwischen dem Nahrungsbaustein Histamin und seinem abbauenden Enzym. Sie reden aneinander vorbei. Und da haben wir den Salat. Überschüssiges Histamin dringt in den Blutkreislauf ein, dockt an die Histaminrezeptoren an und bereitet uns ein Darm-Desaster nach dem anderen.

Am schnellsten braut sich bei diesen Köstlichkeiten ein Darm-Unwetter zusammen:

  • eingelegter und geräucherter Fisch
  • Wurst
  • länger gereifte Käsesorten (Cheddar, Gouda, Emmentaler)
  • Spirituosen (Rot- und Weißwein, Bier, Champagner)

2. Typische Symptome bei Lebensmittelunverträglichkeiten – von Verstopfung bis Müdigkeit 

Nahrungsmittelunverträglichkeiten sind Meister der Tarnung. Sie verstecken sich hinter den alltäglichsten Symptomen – am liebsten hinter: 

  • Müdigkeit und Erschöpfung
  • Blähungen
  • Durchfall 
  • Verstopfung, eines der häufigsten Symptome bei Intoleranzen
  • Bauchkrämpfe 
  • Schluckbeschwerden
  • Herzrasen
  • Zungenbrennen
  • Kopfschmerzen
  • Flush (plötzlich auftretende Rötungen im Gesichts- und Halsbereich)

Wussten Sie schon?

Bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten lassen Verstopfung, Blähungen, Durchfall & Co. meist nicht allzu lange auf sich warten. Bei dem einen rächt sich der cremige Latte macchiato schon nach ein paar Minuten, der andere darf das Marmeladenbrot zumindest zwei Stunden lang in Ruhe genießen. Doch eines ist sicher: Früher oder später wird der Darm-Sturm kommen.

3. Verstopfung und Unverträglichkeiten: Wie lässt sich eine Nahrungsmittelintoleranz diagnostizieren? 

Ihr Milchkaffee macht Sie hundemüde statt hellwach? Der Multivitaminsaft schlägt Ihnen jeden Morgen auf den Magen? Nach einem guten Gläschen Rotwein verbringen Sie den Rest des Abends auf dem stillen Örtchen? 
Alles nur Zufall? Vielleicht, vielleicht aber auch nicht: Was, wenn Ihr Darm nicht nur einen schlechten Tag hat? Was, wenn hinter den chronischen Blähungen und der hartnäckigen Verstopfung eine Unverträglichkeit steckt? Gehen Sie dem Verdauungs-Dilemma auf den Grund.

Wie werden Nahrungsmittelintoleranzen erkannt?

Eine Fruktose- und Laktoseintoleranz lässt sich mit einem H2-Atemtest beim Hausarzt oder der Hausärztin diagnostizieren. Beim Verdacht auf Histaminintoleranz ordnen Ärzt:innen einen Bluttest a

Laktose- und Fruktoseintoleranz Diagnose per „H2-Atemtest“

Meist lassen sich eine Laktose- und Fruktoseintoleranz mit einem „H2-Atemtest“ beim Hausarzt feststellen, besser bekannt als Wasserstoff-Atemtest. Dabei bekommen Sie ein Zuckergetränk serviert. Die in Wasser gelöste Fruktose oder Laktose ist zwar kein Leckerbissen, aber ein echter Sherlock. Bei der Passage nicht resorbierbarer Kohlenhydrate in den Dickdarm ( also jene Kohlenhydrate, die nicht im Blut aufgenommen werden) führt der bakterielle Verdauungsprozess zu einer Wasserstoffproduktion. Dieser Wasserstoff gelangt vom Darm in das Blut und von dort wieder in die Ausatemluft. Nachdem der Arzt nach dem Genuss mehrere Atemproben genommen und den H2-Wert ermittelt hat, stellt er die alles entscheidende Frage: Intoleranz oder nicht? Liegt der gemessene H2-Wert mehr als 20 ppm (parts per million) über dem Ausgangswert, sind Sie fruktose- oder laktoseintolerant.

Histaminintoleranz Diagnose per Bluttest

Einer Histaminintoleranz kommen Sie mit einem Bluttest auf die Spur. Nach einem ausführlichen Gespräch mit dem Arzt Ihres Vertrauens misst er Ihren Histaminspiegel im Blut. Ist dieser deutlich erhöht, kommen Ihre Verdauungsbeschwerden höchstwahrscheinlich von einer Histaminintoleranz.

4. Verstopfung durch Unverträglichkeiten: Was können Sie tun? 

  1. Weg mit den Übeltätern: Eine Kugel Eis geht immer. Griechischer Wein? Komm schenk mir ein. Lecker, Omas selbstgemachte Aprikosenmarmelade müssen Sie einfach probieren. Stopp, bitte nehmen Sie Ihren inneren Schweinehund an die Leine. Denn was Ihnen zu gut schmeckt, schmeckt Ihrem Darm ganz und gar nicht. Verbannen Sie die Feinde Ihres Darms vehement aus dem Speiseplan. 
  2. Gut Ding will Weile haben: Der Stuhl ist nicht zu Ihrer Verabredung erschienen? Bewahren Sie Ruhe, vielleicht kommt er ja noch. Nehmen Sie sich genug Zeit für den Toilettengang. Eine kleine Verspätung sei dem Darm vergönnt. Warum setzen Sie sich nicht einfach zehn Minuten lang auf das stille Örtchen und warten, was passiert?
  3. Regelmäßige Darm-Dates: Die Beziehung zu unserem Darm ist wie eine gute Freundschaft. Wir müssen sie pflegen. Je häufiger Sie sich verabreden, desto besser läuft es. Wie wäre es mit montags, mittwochs und samstags um 8:30 Uhr auf dem stillen Örtchen?
  4. Unterstützung für die Verdauung aus dem Medizinschränkchen: Der müde Darm braucht einen schnellen Wachmacher? Dann lohnt sich ein Blick in das Medizinschränkchen. Vielleicht haben Sie noch eine Packung Carimera Duo oder Carimera Plus übrig. Die beiden schonenden Medizinprodukte mit Macrogol sind willkommene Helfer gegen Verstopfung – auch wenn sie als Symptom von Intoleranzen in Erscheinung tritt. 

Übrigens: Leiden Sie an Verstopfung und Blähungen, ist Carimera ebenfalls für Ihren Darm da. Der sanfte Entschäumer Simeticon senkt die Oberflächenspannung der Gasbläschen der Darmgase und beseitigt diese damit nach und nach.

  1. Prost, lieber Darm: Ein verstopfter Darm hat einen Bärendurst. Erfrischen Sie ihn ruhig mit zwei bis drei Litern pro Tag. Seine Lieblingsgetränke sind übrigens Mineralwasser, stilles Wasser und Kräutertee.
  2. Schlecht gekaut ist schlecht verdaut: Mit einem Happs im Darm? Lieber nicht, nehmen Sie sich genug Zeit zum Kauen. Denn je gründlicher Sie Ihre Nahrung im Mund zerkleinern, desto weniger Verdauungsarbeit fällt an. Sie verschaffen Ihrem Darm eine wertvolle Verschnaufpause. Endlich kann er sich in Ruhe um seine Darm-Probleme kümmern.

Gestresste Verdauung durch Intoleranzen? Jetzt ist Entspannung gefragt: Seit dem extragroßen Erdbeerbecher im Eiscafé ist Ihr Darm auf 180. Wie können Sie ihm das nur antun? Entrüstet drosselt er den Darmbetrieb. Machen Sie Ihre milchige Sünde wieder gut – Entschuldigung, lieber Darm. Eine Runde Yoga, 15 Minuten Pilates, eine ausgedehnte Meditation oder ein kurzer Verdauungsspaziergang besänftigen das wütende kleine Kerlchen in Ihrem Bauch. Auch mit Entspannungsmusik, autogenem Training oder einem kleinen Nickerchen lässt es sich ins Gewissen reden. 

Quellenverzeichnis
  1. (1) Itan Y, Powell A, Beaumont MA, Burger J, Thomas MG (2009) The Origins of Lactase Persistence in Europe. PLoS Comput Biol 5(8): e1000491. Abgerufen am 31.05.2021 über https://journals.plos.org/ploscompbiol/article?id=10.1371/journal.pcbi.1000491
  2. (2) Fachgesellschaft für Ernährungstherapie und Prävention (FETeV) (19. November 2020). Die Erscheinungsbilder der Fruktoseunverträglichkeit. Abgerufen am 28.05.2021 über https://fet-ev.eu/fruktosemalabsorption-krankheitsbild/
  3. Laktoseintoleranz: Ursachen, Symptome & Behandlung (17.09.2018). Abgerufen am 27.04.2021 über https://www.deutsche-familienversicherung.de/krankenhauszusatzversicherung/ratgeber/artikel/laktoseintoleranz-ursachen-symptome-und-behandlung/
  4. (3) Dr. med. Schönfeld, G., Dr. med. Schröder, A. (05.06.2021). Histaminintoleranz. Erschienen über Das Gastroenterologie Portal. Abgerufen am 10.06.2021 über https://dasgastroenterologieportal.de/Histaminintoleranz.html.
  5. Maximilian Ledochowski (2014). Nahrungsmittel-Intoleranzen: Unverträglichkeiten erkennen, und gut damit leben. Stuttgart, Deutschland. Trias Verlag. 
  6. Doris Fritzsche (2017). STOPP! Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten. München, Deutschland. Gräfe & Unzer Verlag.
  7. Herold, G. et al (2011). Innere Medizin, Eigenverlag.
  8. Ärzteblatt. Laktoseintoleranz: Milch-Verträglichkeit bei Erwachsenen entstand in Zentraleuropa (28.08.2009). Abgerufen am 11.5.2021 über https://www.aerzteblatt.de/treffer?mode=s&wo=17&s=zucker&typ=1&nid=37886
  9. Di Rienzo, T. et al.(2013). Lactose intolerance: from diagnosis to correct management. Erschienen im European Review for Medical and Pharmacological Sciences 2013; 17 (Suppl 2):18-25.
  10. Keller, J. (Juli 2011). Laktoseintoleranz – Der aktuelle Kenntnisstand zur Diagnose und Therapie. Aus Arzneiverordnung in der Praxis, Band 38, Ausgabe 4.
  11. Das Gastroenterologie Portal (01.10.2017). Fruktoseintoleranz. Abgerufen am 28.05.2021 über https://dasgastroenterologieportal.de/Fruktoseintoleranz.html
  12. Fritzsche, D. (2012) Histamin-Intoleranz. Deutschland, München: Gräfe und Unzer Verlag.
  13. Maintz, L. et al. (2006). Die verschiedenen Gesichter der Histaminintoleranz. Erschienen in Deutsches Ärzteblatt (2006), Ausgabe 51/52.
  14. GFMK GmbH & Co. KG Verlagsgesellschaft. Portal zur Histamin-Intoleranz. Abgerufen am 28.05.2021 über www.histaminintoleranz.net.

Zuletzt aktualisiert am: 29.07.2021
Veröffentlicht am: 09.09.2021

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