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Kann Zöliakie zu Verstopfung führen?

Was Sie über Glutenunverträglichkeit wissen sollten und welche Theorien Sie getrost vergessen können
Verstopfung durch Zöliakie

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Wer unter einer bestätigten Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) leidet, muss sein Leben lang auf glutenhaltige Lebensmittel verzichten. Aber nicht jede Verdauungsstörung wie etwa eine Verstopfung weist auf diese ernstzunehmende Erkrankung hin.

Glutenfreie Produkte boomen! In jedem Supermarkt findet man mittlerweile glutenfreies Brot, Müsli oder Nudeln. Warum wollen immer mehr Menschen diesen Stoff aus ihrer Ernährung verbannen? Ist das bloß ein Trend oder vertragen tatsächlich immer mehr Menschen kein Gluten mehr?

Gluten ist übrigens ein Klebereiweiß, das in den Körnern von Getreide wie Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste und Hafer enthalten ist.

Glutenunverträglichkeit: Trend oder Tatsache?

Verdauungsbeschwerden, Blähungen, Völlegefühl, Müdigkeit oder Kopfschmerzen – wer hat das heutzutage nicht immer mal wieder? Bei wiederkehrenden Beschwerden ist die Selbstdiagnose Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) schnell gestellt, weshalb immer mehr Menschen offenbar davon ausgehen, dass sie kein Gluten vertragen. 

Manche denken auch, dass Gluten grundsätzlich ungesund sei – warum sonst sollte auf so vielen Lebensmitteln neuerdings extra „glutenfrei“ stehen? Deshalb greifen viele zu den gekennzeichneten Produkten ohne Gluten. 

Aber: Die Ursache der genannten Beschwerden muss nicht immer gleich eine Zöliakie sein, sondern sie kann auch ganz woanders liegen. Zum Beispiel in einer ungünstigen oder einseitigen Ernährungsweise, einer Laktoseintoleranz, einer Verdauungsstörung oder anhaltendem Stress.

Auch wenn das Image von Gluten und glutenhaltigen Getreidesorten, vor allem Weizen, in den letzten Jahren stark gelitten hat: Bislang spricht nichts dafür, dass Gluten „böse“ ist, dass es gesunde Menschen müde und dick macht oder zu Verdauungsbeschwerden führt. Wenn Sie nicht unter Zöliakie leiden, können Sie sich glutenhaltige Lebensmittel bedenkenlos schmecken lassen.

Gleichzeitig ist aber auch zu beobachten, dass die Diagnose Glutenintoleranz heute tatsächlich häufiger gestellt wird als früher. Das liegt sicherlich unter anderem daran, dass die Diagnosemöglichkeiten einen großen Schritt nach vorn getan haben. 

Während man in den 80er Jahren noch davon ausging, dass eine Zöliakie mit einer Häufigkeit von 1:2000 auftritt, liegen die Zahlen inzwischen bei etwa 1:200 bis 1:100 – bei einer vermutlich immer noch hohen Dunkelziffer. Waren die Schätzungen in den 80er Jahren also falsch oder gab es bereits damals genauso viele Menschen mit Glutenunverträglichkeit wie heute? Das lässt sich nicht mit Sicherheit beantworten. 

Fest steht hingegen, dass erbliche Faktoren eine Rolle spielen und dass die Zöliakie aufgrund der Vielfalt der möglichen Symptome oft erst nach Jahren erkannt wird. Die Erkrankung kann leider jeden von uns in jedem Alter erwischen. Am häufigsten wird eine Zöliakie bei Menschen im Alter zwischen 1 und 8 Jahren bzw. zwischen 20 und 50 Jahren diagnostiziert.

Die Zöliakie gehört zu den häufigsten lebenslangen Erkrankungen in vielen Industrieländern. Sie kann in jedem Lebensalter ausbrechen. Frauen sind etwa dreimal häufiger betroffen als Männer.

Was passiert eigentlich bei einer Zöliakie?

Die Zöliakie ist eine entzündliche Autoimmunerkrankung des Dünndarms, bei der bereits kleinste Mengen Gluten aus Getreidearten wie Roggen, Weizen, Gerste und Dinkel eine Entzündung und Darmbeschwerden auslösen. Ist der Endabschnitt des Dünndarms (Ileum) entzündet, gefährdet das vor allem die Versorgung mit Vitamin-B12 und Folsäure.

Gluten ist ein Stoff, der in der Klebereiweißschicht des Getreidekorns (Weizen, Roggen, Hafer, Gerste) vorkommt. Leider löst er bei manchen Menschen eine Überreaktion des Immunsystems aus. Warum das so ist, weiß man noch nicht genau. 

Bei den Betroffenen nimmt das Immunsystem das Gluten irrtümlich als gefährlichen Gegner wahr. Beim Verzehr von Gluten produziert es Antikörper, um den Störenfried in Schach zu halten. Dummerweise greifen diese Antikörper aber das eigene Darmgewebe an und lösen eine chronische Entzündung des Dünndarms aus. 

Die möglichen Folgen:

  • Blähungen, 
  • Bauchschmerzen und Durchfall, 
  • Eisenmangel, 
  • Entwicklungs- und Wachstumsstörungen.

Die Symptome sind vielfältig wie ein Tiergarten. Wer erwiesenermaßen unter einer Zöliakie leidet, muss tatsächlich lebenslang komplett auf Gluten verzichten. Eine Behandlung gibt es bisher nicht. (Aktuell ist jedoch ein Transglutaminase 2 Hemmer in Entwicklung(1).) 

Eine eindeutige Diagnose kann durch eine Blutuntersuchung (Antikörpertest) in Kombination mit einer Dünndarmbiopsie (Gewebeprobe) gestellt werden.

Übrigens: Streng genommen wird eine Glutenunverträglichkeit nur dann als Zöliakie bezeichnet, wenn sie bereits im Kleinkindalter auftritt. Bei einem Krankheitsbeginn im Erwachsenenalter nennt man die Krankheit „Einheimische Sprue“ oder „Glutensensitive Enteropathie“. Bei der tropischen Sprue handelt es sich um eine in den Tropen vorkommende seltene erworbene Krankheit, die durch eine Malabsorption und eine Blutarmut gekennzeichnet ist. Ihr Ursprung ist wahrscheinlich infektiös.

Was sind die Symptome einer Zöliakie?

Die Zöliakie äußert sich bei Betroffenen sehr unterschiedlich, unter anderem abhängig vom Lebensalter. In manchen Fällen ruft sie sogar keine Beschwerden hervor. Im Allgemeinen sind die Anzeichen einer Glutenintoleranz bei jüngeren Kindern stärker und „klassischer“ ausgeprägt als bei Jugendlichen oder bei Erwachsenen. Typische Symptome sind: 

  • Durchfälle mit fetthaltigem Stuhl
  • Völlegefühl, Blähungen
  • ein aufgetriebener Bauch
  • Blässe
  • Gewichtsverlust
  • eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit 
  • verschlechterte Nährstoffaufnahme mit Zeichen der Mangelernährung
  • Rückbildung der Dünndarmzotten
  • bei Kindern: Wachstumsstörungen, Gedeihstörung

Ein kurzer Blick in die Geschichte: Der griechische Arzt Aretaios von Kappadokien sprach bereits vor rund 2.000 Jahren von einer Erkrankung namens „koilia“ (= Zöliakie), was so viel wie „die dickbauchige Krankheit“ bedeutet.

Heutzutage werden bei der Zöliakie vermehrt auch sogenannte untypische Symptome beobachtet, zum Beispiel chronische Bauchschmerzen, Verstopfung, unklarer Eisenmangel, erhöhte Leberwerte, Zahnschmelzdefekte, Hautveränderungen, Gelenkbeschwerden, Leistungsabfall, Kopfschmerzen, Depressionen usw. Einige dieser Befunde können sich auch erst im Jugend- oder Erwachsenenalter manifestieren.

Kann Zöliakie eine Verstopfung auslösen?

Offenbar kann Zöliakie also in ziemlich vielfältiger Form daherkommen und zu einer ganzen Reihe sehr unterschiedlicher Veränderungen führen. Manche belasten das Wohlbefinden mehr, andere weniger. 

Eine Verstopfung gehört zu den eher untypischen Symptomen einer Glutenunverträglichkeit, sehr viel häufiger sind Durchfälle. Wenn Sie also unter einer Verstopfung leiden, ist es nicht unbedingt naheliegend, als allererstes an eine Zöliakie zu denken. 

Vielleicht helfen Ihnen bereits ein paar einfache Hausmittel dabei, die Verstopfung wieder loszuwerden. Auch milde Abführmittel wie die Medizinprodukte Carimera Duo oder Carimera Plus können Ihren Darm wieder in Schwung bringen. Der darin enthaltene Wirkstoff Macrogol wirkt zuverlässig, aber sanft und wird nach getaner Arbeit komplett wieder ausgeschieden. Sie müssen also keine Sorge vor einem Gewöhnungseffekt haben, da der Wirkstoff rein physikalisch wirkt und keine pharmakologische Wirkung entfaltet.

Bei einer chronischen Verstopfung oder auch einem Wechsel von Verstopfungssymptomen und Durchfällen sollten Sie der Sache allerdings genauer auf den Grund gehen, denn dahinter kann durchaus eine ernstzunehmende Erkrankung stecken – gelegentlich auch eine Glutenunverträglichkeit. Eine ausführliche ärztliche Untersuchung und eine Blutanalyse geben Hinweise auf mögliche Schwachstellen – und können zudem andere Verdachtsursachen ausschließen. 

Wenn Sie vermuten, dass Ihren Beschwerden eine Zöliakie zugrunde liegen könnte – zum Beispiel, weil Sie sich besser fühlen, wenn Sie eine Weile auf glutenhaltige Lebensmittel verzichten –, sprechen Sie Ihren Arzt oder Ihre Ärztin darauf an. So kann Klarheit in die Sache gebracht werden.

Und wenn sich der Verdacht auf Zöliakie bestätigt?

Falls bei Ihnen tatsächlich eine Zöliakie vorliegen sollte, werden sich Ihre Symptome merklich verbessern, wenn Sie komplett auf eine glutenfreie Ernährung umstellen. Geben Sie sich und Ihrem Körper ein bisschen Zeit, sich an die Umstellung zu gewöhnen. Vor allem Ihr sensibler Verdauungsapparat kann anfangs mit Unwohlsein oder Bauchschmerzen reagieren, aber das wird sich legen.

In den meisten Fällen entwickeln sich die Entzündungsprozesse im Dünndarm nach einer Nahrungsumstellung innerhalb weniger Monate zurück, so dass die Betroffenen ein praktisch beschwerdefreies Leben führen können. Glücklicherweise gibt es heute eine Vielzahl geeigneter Produkte, so dass sich eine glutenfreie Ernährung viel leichter realisieren lässt als noch vor wenigen Jahren.

Die Zöliakie kann bislang nicht geheilt werden. Die Behandlung der Wahl ist daher eine lebenslange glutenfreie Ernährung – was heutzutage zum Glück problemlos möglich ist.

Gut verträglich bei Glutenintoleranz sind:

  • Mais und Maisprodukte
  • Reis, Hirse, Amaranth, Quinoa, Buchweizen, Soja
  • Kartoffeln, Gemüse, Obst
  • Milch, Joghurt, Quark, Käse, Butter
  • Eier
  • Öl
  • Fleisch, Fisch, Tofu
  • Kastanienmehl, Johannisbrotmehl
  • Nüsse

In Deutschland sind die Hersteller seit 2005 verpflichtet, glutenhaltige Nahrungsmittel zu kennzeichnen. Glutenhaltige Zutaten müssen auf der Zutatenliste erscheinen. Da der Begriff „Gluten“ selbst aber nicht erwähnt werden muss, sollten Sie als Zöliakie-Patient(in) unbedingt wissen, welche Zutaten Gluten enthalten. Für glutenfreie Lebensmittel gibt es außerdem ein spezielles Symbol: Achten Sie auf die durchgestrichene Getreideähre.

Quellenverzeichnis
  1. (1) Schuppan, D., Mäki, M. et. al. (July 1, 2021). A Randomized Trial of a Transglutaminase 2 Inhibitor for Celiac Disease. New England Journal of Medicine 2021; 385:35-45 DOI: 10.1056/NEJMoa2032441 Zuletzt abgerufen am 27.07.2021 über https://www.nejm.org/doi/10.1056/NEJMoa2032441
  2. Felber, J. et. al. (2014). Ergebnisse einer S2k-Konsensuskonferenz der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen (DGVS) gemeinsam mit der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft (DZG) zur Zöliakie, Weizenallergie und Weizensensitivität. Aus Zeitschrift für Gastroenterologie 2014; 52: 711–743. DOI http://dx.doi.org/10.1055/s-0034-1366687. Stuttgart, Deutschland und New York, USA: Georg Thieme Verlag KG.
  3. Schuppan, D. und Zimmer, K.-P. (2013). Diagnostik und Therapie der Zöliakie (The diagnosis and treatment of celiac disease). Deutsches Ärzteblatt Int. 2013; 110(49): 835-46. Abgerufen am 08.06.2021 über https://www.aerzteblatt.de/archiv/150736/Diagnostik-und-Therapie-der-Zoeliakie
  4. Deutsche Zöliakie Gesellschaft e.V. (ohne Datum). Symptomatik. Abgerufen am 08.06.2021 über https://www.dzg-online.de/symptomatik.345.0.html
  5. Kinderärzte im Netz (05.05.2015). Zöliakie. Abgerufen am 08.06.2021 über https://www.kinderaerzte-im-netz.de/krankheiten/zoeliakie/
  6. Internisten im Netz (18.08.2017). Was ist Zöliakie? Abgerufen am 08.06.2021 über https://www.internisten-im-netz.de/krankheiten/zoeliakie/was-ist-zoeliakie.html

Zuletzt aktualisiert am: 29.07.2021
Veröffentlicht am: 07.09.2021

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