Was ist eine chronische Verstopfung?

Nervensäge ade: Locken Sie Ihren Darm aus der Reserve und machen Sie der Verstopfung Dampf
was tun gegen chronische verstopfung

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Die chronische Verstopfung ist eine überaus unangenehme Angelegenheit. Wenn der Bauch immer wieder kneift und auf der Toilette einfach nichts vorangeht, schlägt das auf Dauer ganz schön auf die Stimmung. Abfinden müssen Sie sich damit aber nicht! Helfen Sie lieber Ihrem Darm, wieder in Schwung zu kommen. So geht’s.

Keine Sorge, Sie sind nicht allein: Wenn Sie an chronischer Verstopfung leiden, befinden Sie sich in bester Gesellschaft. Durchschnittlich 17% der Bevölkerung in Europa sind von diesem Problem betroffen, vor allem Frauen und ältere Menschen. Wussten Sie, dass es so viele sind? Vermutlich nicht, weil die meisten den Mantel des Schweigens darüberbreiten. Dabei wäre es wahrscheinlich der erste Weg zur Besserung, die Karten auf den Tisch zu legen: Das spart Mühe, Ausreden und unangenehme Momente.

Ab wann ist eine Verstopfung denn „chronisch“?

Von einer chronischen Verstopfung spricht man, wenn die Beschwerden über einen Zeitraum von mehreren Monaten bestehen – anders als bei einer akuten Verstopfung, bei der der Darm plötzlich und vorübergehend streikt. Wenn Sie sich fragen, ob Sie zur eingeschworenen Gemeinschaft der chronisch Verstopften gehören, sollten Sie nicht nur zählen, wie oft Sie aufs Klo gehen. Stattdessen sollten Sie vor allem darauf achten, wie unangenehm und im wahrsten Sinne hart der Toilettengang für Sie ist. Läuft alles wie geschmiert und Sie haben auf dem stillen Örtchen eine entspannte Zeit? Fein, dann ist zweitrangig, wie oft Sie in diesen Genuss kommen. Handelt es sich hingegen eher um den Gang nach Canossa und Sie müssen sich abmühen, nachhelfen, mit Kraft rauspressen, was raus muss? Dann willkommen im Team „chronische Verstopfung“!

Zwei Paar Schuhe: Formen der chronischen Verstopfung

Natürlich läuft nicht bei allen, die an chronischer Verstopfung leiden, das gleiche Szenario im Verdauungstrakt ab. Die Inszenierungen sind so unterschiedlich wie Sie, Ihr Nachbar Herr Schubert und Tante Erna. Immerhin kann man zwei grundlegende Formen der chronischen Verstopfung unterscheiden: einerseits die primäre oder funktionelle Verstopfung, andererseits die sekundäre Verstopfung. Klingt kompliziert, ist aber schnell erklärt: Bei der sekundären („nicht ursprünglichen“) Verstopfung gibt es einen äußeren Grund, der das Problem verursacht. So können eine Grunderkrankung, eine hormonelle Störung oder eine dauerhafte Medikamenteneinnahme den Darm ausbremsen („kologene Verstopfung“). Er wird dann träge, hängt nur noch rum und schiebt seinen Inhalt viel zu lahm vorwärts. Im Extremfall kann es bis zu zwei Wochen dauern, bis der Stuhl den Verdauungstrakt passiert hat. (Deshalb spricht man auch von „Slow-Transit-Obstipation“. Dass das extrem unangenehm werden kann, wird uns spätestens dann klar, wenn wir uns vorstellen, die Müllabfuhr würde ihre Arbeit derart transusig erledigen.)

Ein anderer Grund für eine sekundäre Verstopfung kann eine anatomische Veränderung oder Störung im Bereich des Enddarms oder Afters sein. Eine solche „anorektale Verstopfung“ sollte man von einem Arzt abklären lassen sollte, damit trotz der anatomischen Störenfriede wieder für eine galante Darmentleerung gesorgt werden kann.

Unser zweites Paar Schuhe ist die „primäre“ oder „funktionelle“ Verstopfung. Die primäre Verstopfung heißt so, weil sich bei ihr keine äußere oder organische Ursache feststellen lässt. Die Darmfunktion ist sozusagen aus sich heraus gestört. Die Müllabfuhr streikt hier zwar nicht, sondern der Darm bewegt sich laut Tarifvertrag, und auch die Entleerungsfrequenz ist wie gebucht (deshalb: „Normal-Transit-Obstipation“). Der Haken ist: Der Darminhalt ist so hart, dass die Passage durch den Verdauungstrakt ein echter Spießrutenlauf ist. Er stößt überall an und verursacht beim Pingpong-Spiel mit der sensiblen Darminnenwand unangenehme Schmerzen.

Wie so oft im Leben: Qualität ist wichtiger als Quantität 

Weil die Ausprägungen und Symptome der chronischen Verstopfung so vielfältig sind wie ihre Gastgeber, haben Mediziner sich auf ein paar Kriterien zur Definition geeinigt. Demnach sprechen wir mit Fug und Recht von einer chronischen Verstopfung, wenn Sie in den letzten drei Monaten bei mehr als jedem vierten Stuhlgang mindestens zweien der folgenden Aussagen zustimmen konnten: 

  • Geschmeidig ist anders! Das hier ist hart und klumpig. 
  • Da ist jetzt aber nicht alles rausgekommen. 
  • Dieses starke Pressen ist echt anstrengend. 
  • Irgendwie ist da am Hinterausgang etwas blockiert. 
  • Wenn ich nicht mit der Hand nachhelfe, geht da nichts voran. 
  • Ich war diese Woche seltener als dreimal erfolgreich auf dem stillen Örtchen. 
  • Wie geschmiert läuft es eigentlich nur mit Abführmitteln.

Das heißt: Es geht weniger um die Häufigkeit der Haufen, sondern vielmehr um deren Beschaffenheit – und vor allem um Ihr Bauchgefühl. Selbst wenn Sie täglich zu Potte kommen, kann es sein, dass Sie unter chronischer Verstopfung leiden – nämlich dann, wenn es jedes Mal eine schmerzhafte Angelegenheit ist oder andere Begleiterscheinungen wie Bauchschmerzen oder Blähungen Ihnen das Leben schwer machen.

Was kann ich dagegen tun? 

Selbst bei ausführlichster ärztlicher Detektivarbeit lassen sich die Ursachen einer funktionellen chronischen Verstopfung oft nicht eindeutig herausfinden. Es gibt aber ein paar bekannte Empfehlungen und Tricks, die fast immer helfen: eine gesunde Ernährung, ausreichend Flüssigkeit, Bewegung und sanfte Hilfsmittel.

Ein bisschen Geduld müssen Sie dabei mitbringen, denn unser Darm ist ein Gewohnheitstier und muss sich an Veränderungen erst einmal anpassen. Allzu lang lässt er sich aber üblicherweise nicht bitten: Nach einer Änderung der Ernährungsgewohnheiten und des Lebensstils zeigt sich oft schon nach wenigen Tagen eine Besserung. An erster Stelle stehen dabei eine ballaststoffreiche Kost mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten. Die Ballaststoffe werden im Dünndarm noch nicht verdaut und können daher im Dickdarm fleißig mitarbeiten. Besonders erfreuliche Ergebnisse bringen Flohsamenschalen. Die klitzekleinen Teilchen – auch bekannt als Psyllium – binden Wasser, quellen auf und bilden so eine Art Gel, das die Stuhlmasse hydriert. Dadurch wird die Normalisierung der Darmfunktionen gefördert. Dank ihrer quellenden Wirkung kommt der Darm wieder in Schwung. Achten Sie darauf zusätzlich mindestens zwei Liter Wasser am Tag trinken.

Noch ein paar kleine Extratipps 

Eine gute Verdauung beginnt bereits beim Essen! Kauen Sie deshalb alle Speisen, die Sie zu sich nehmen, bewusst langsam und gründlich. Zusätzlich sollten Sie auch darauf achten ausreichend Wasser zu trinken. Das erleichtert dem Darm später enorm seine Arbeit. Auch Bewegung ist eine feine Sache: Ein ausgedehnter Spaziergang oder eine Runde Sport können einem trägen Darm zumindest einen kleinen Stups verleihen.

Zu guter Letzt: Verkneifen Sie sich nichts, wenn Ihr Gehirn meldet: Ich muss aufs Klo! Kann sein, dass es gerade ungünstig ist, und sicher gibt es Situationen, in denen Sie dem Wunsch Ihres Darmes nicht nachgeben können. In der U-Bahn etwa wäre es suboptimal. Wenn Sie aber gerade mit Tante Erna telefonieren und es Sie maximal etwas Überwindung kostet, ihr zu erklären, dass Sie mal kurz „um die Ecke“ müssen: Tun Sie es! Ihr Darm wird es Ihnen danken.

Und wie immer gilt: Im Zweifel an einen Arzt oder eine Ärztin wenden.

Quellenverzeichnis
  1. Universitätsspital Zürich (ohne Datum). Chronische Verstopfung. Abgerufen am 12.03.2021 über http://www.vis.usz.ch/fachwissen/proktologie/seiten/chronische-verstopfung.aspx?DeviceChannel=Mobile
  2. Feichter, M. (16.10.2018). Verstopfung. Abgerufen am 12.03.2021 über https://www.netdoktor.de/symptome/verstopfung/ 
  3. Osthoff, C. (23.04.2019). Verstopfung (Obstipation). Abgerufen am 13.03.2021 über https://www.apotheken-umschau.de/krankheiten-symptome/symptome/verstopfung-obstipation-737005.html

Zuletzt aktualisiert: 21.04.2021
Veröffentlicht am: 08.04.2021

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