Wann eine Verstopfung ein Fall für den Arzt ist

So erkennen Sie die Anzeichen einer schweren Verstopfung
Verstopfung wann zum Arzt Titelbild

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Über das, was den Darm verlässt – oder eben nicht –, wird nur ungern gesprochen. Daher fällt es uns schwer, den Grad einer Verstopfung exakt zu bestimmen. Ab wann spricht man von einer leichten, wann von einer schweren Verstopfung? Häufig verschwindet eine Darmträgheit rasch oder lässt sich mithilfe einiger Tricks fortjagen. Aber wann ist der Zeitpunkt gekommen, an dem Sie aufhören sollten, sich selbst zu behandeln, und besser einen Arzt aufsuchen sollten? Wir geben einen Überblick. 

Auf die Frage, ob man zunächst die guten oder schlechten Nachrichten hören möchte, lautet die Antwort im Falle einer Verstopfung immer: die guten Nachrichten. Freudige Botschaften im Falle einer Verstopfung? Ja, tatsächlich. Denn so unangenehm und schmerzhaft eine Verstopfung ist, so harmlos ist sie in den meisten Fällen.

Und mehr noch: In den allermeisten Fällen verschwindet der ungebetene Überraschungsgast so schnell, wie er gekommen ist. Dies liegt daran, dass es sich meistens um situative Auslöser handelt. Mit anderen Worten: Unser Darm schaltet bei ungewohnten Situationen, Stress und Aufregung oder Nahrungsmitteln, die ihm nicht schmecken, auf stur und stellt die Arbeit ein – das Lehrstück einer akuten Verstopfung! Am wichtigsten bei der Behandlung einer solch situativ bedingten, gelegentlichen Verstopfung sind dementsprechend Ernährungs- und Lebensstilanpassungen. 

Leichte oder schwere Verstopfung: Diese Anzeichen entscheiden über den Arztbesuch

Zwischen „mal einen Pups quersitzen haben“ und schwerwiegenden Darmerkrankungen liegt eine große Bandbreite an Zwischentönen, die es genau zu beobachten gilt.

Es ist gar nicht so einfach, eine harmlose, gelegentliche Obstipation (das ist der medizinische Fachbegriff für „Verstopfung“) von einer schweren Verstopfung zu unterscheiden, die im Zweifelsfall nur noch der Arzt lösen kann. Achten Sie auf die feinen, aber kleinen Unterschiede, die Ihnen sagen, wann es Zeit für den Arzt ist: die Dauer, die Heftigkeit und die Begleiterscheinungen.

Durch die Vermeidung von Stress, etwas Bewegung, ausreichend Wasser und eine ballaststoffreiche Ernährung lässt sich eine akute Verstopfung häufig schnell vor die Tür setzen.

Verhärtet sich der Stuhl jedoch langanhaltend, wiederkehrend oder schwerwiegend, liegen nicht selten funktionelle körperliche Störungen oder Erkrankungen vor, die ein Fall für den Spezialisten sind. Und auch schmerzhafte Begleiterscheinungen sind ein Anzeichen dafür, dass bei der Behandlung der Verstopfung ein Arzt konsultiert werden sollte.

Erfahren Sie im Folgenden mehr darüber, was im Falle eine Verstopfung „schwerwiegend“, „langanhaltend“ und „wiederkehrend“ bedeutet. Und lernen Sie mehr über jene Begleiterscheinungen, die auf die Frage „Wann zum Arzt?“ nur eine Antwort kennen, nämlich: sofort!

Gelegentlich oder dauerhaft: Wann lang zu lang ist

Wie oft Sie „gehen müssen“, ist, unter uns gesagt, erst einmal ganz allein Ihre Sache. Denn ob die Darmentleerung täglich oder viermal wöchentlich stattfindet, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Was auch immer Ihr persönliches Stuhlgangmuster ist, es ist einzigartig und normal für Sie – solange Sie nicht zu weit von Ihrem Muster abweichen oder gar Schmerzen haben.

Ohne den Gedanken an Ihr persönliches Stuhlmuster zu vergessen, spricht man allgemein von einer Verstopfung bei weniger als drei Stuhlgängen pro Woche. Ein klarer Hinweis ist auch, wenn die Klogänge überdies schmerzhaft sind und das Gefühl einer unvollständigen Entleerung hinterlassen.

Bei einer akuten, situativ bedingten Verstopfung hält dieser Zustand in der Regel nur einige Tage bis maximal eine Woche an – kein Grund zur Beunruhigung. 

Genauer in sich hineinhorchen sollten Sie, wenn eines der folgenden zeitlichen Muster erkennbar ist: 

  • Die Verstopfung taucht über mehr als drei Monate regelmäßig auf. In diesem Fall kann eine chronische Verstopfung vorliegen. 
  • Die Symptome halten trotz eigener Hausmittel, mehr Bewegung und etwaiger Medikamente länger als zwei Wochen an und beeinträchtigen Ihr Wohlbefinden zunehmend.

In diesen beiden Fällen begegnen uns die ersten beiden Auslöser für einen Arztbesuch bei einer Verstopfung: langanhaltend und wiederkehrend. Einem solchen Muster sollte auf den Grund gegangen werden. Sie könnten von einer starken Verstopfung betroffen sein, der etwa eine Erkrankung wie ein Reizdarm zugrunde liegen kann, wenn auch nicht muss. Ein Besuch beim Arzt verschafft in jedem Fall Klarheit. Im Zweifel gilt sowieso immer: Ab zum Arzt.

Stärke der Symptome: Wie sich eine schwere Verstopfung anfühlt

Und auch hier zu Beginn der Hinweis auf unsere Individualität: Jeder Mensch empfindet Schmerzen anders. Deswegen ist es nicht einfach, ein pauschales Schmerzbarometer anzusetzen, um die Frage „Wann zum Arzt?“ im Falle einer Verstopfung zu beantworten. Es gibt jedoch eine Reihe von Beschwerden, die über „normale Bauchschmerzen“ hinausgehen. Sie weisen auf eine schwere Verstopfung und die Notwendigkeit eines Arztbesuches hin – obgleich es natürlich noch andere Ursachen für Bauchschmerzen gibt, wie beispielsweise Reizmagen, Sodbrennen, gewöhnliche Blähungen und weitere. In den folgenden Abschnitten konzentrieren wir uns jedoch auf Verstopfung als die Ursache.

Eine Verstopfung, begleitet von Bauchschmerzen und einem Völlegefühl, ist häufig noch kein Grund, den Arzt anzurufen – doch nur solange sie nicht die kritischen Zeitspannen überschreitet. Eine andere Situation liegt vor, wenn Sie unter sehr starken Schmerzen sowie einer oder mehreren dieser Begleiterscheinungen leiden:

  • Starke Darm- und Magenkrämpfe 
  • Blut im Stuhl
  • Unerklärlicher Gewichtsverlust
  • Anhaltende Appetitlosigkeit 
  • Bleistiftdünner Stuhl 

Diese fünf Signale für eine schwere Verstopfung verlangen geradezu danach, unmittelbar einen Termin bei Ihrem behandelnden Arzt oder der Ärztin zu machen. Nur er oder sie kann schwerwiegende Darmerkrankungen wie eine funktionelle Darmlähmung oder einen mechanischen Darmverschluss ausschließen bzw. behandeln.

Welcher Arzt hilft bei Verstopfung? 

Sie erleben eines oder mehrere dieser Anzeichen einer schweren Verstopfung am eigenen Leib oder quälen sich bereits seit mehr als zwei Wochen oder wiederkehrend mit einer Obstipation? Dann ist es nun wirklich Zeit, den Arzt anzurufen. Je nach Schwere der Symptome sollten Sie zunächst den Hausarzt Ihres Vertrauens konsultieren oder sich direkt an einen Facharzt wenden. Internist:innen, genauer gesagt Gastroenterolog:innen, sind die richtigen Ansprechpartner:innen für stark beeinträchtigende Magen-Darm-Beschwerden. 

Was macht der Arzt bei einer schweren Verstopfung?

Zu Beginn wird der Arzt oder die Ärztin eine Anamnese erheben, Sie also genau nach Ihren Beschwerden, Symptomen und etwaigen eingenommenen Medikamenten fragen. Sehr häufig wird heute eine digitale Untersuchung des Rektums durchgeführt, um eine Kotstauung ausschließen zu können. Anschließend werden häufig einige diagnostische Tests durchgeführt: 

  • Blutuntersuchung, um Entzündungen oder Infektionen aufzuspüren
  • Röntgenaufnahmen oder CT (Computertomografien) um die Bereiche zu identifizieren, in denen der Darm verstopft ist
  • Darmspiegelung (Koloskopie), um die Darmschleimhaut sichtbar zu machen und auf Anomalien zu prüfen
  • Darmfunktionstest, um die Muskeln des Rektums und die Nervenfunktion des Darms zu überprüfen

Abhängig von den Ergebnissen der Tests wird Ihr Arzt oder Ihre Ärztin Sie über die nächsten Schritte aufklären, die oft ganz einfach sein können: Vielleicht genügt eine Umstellung der Lebensweise und der Ernährung oder die Einnahme von Abführmitteln, die den Stuhlgang beschleunigen.

Und ganz wichtig: Der Gang zum Gastroenterologen muss und darf Ihnen nicht peinlich sein – schließlich ist es der Job von Ärzt:innen. Und manchmal ist so ein Arztbesuch einfach nur ein notwendiger Schritt, damit Sie sich weniger Sorgen über die Verstopfung machen müssen und wieder mehr Zeit damit verbringen können, das Leben in vollen Zügen zu genießen. Gemeinhin gilt aber auch bei leichten Verstopfungen: Fühlen Sie sich sehr unwohl oder sind sich unsicher, ist es immer ratsam sich einem Arzt oder einer Ärztin anzuvertrauen.

Quellenverzeichnis
  • Pubmed.com. (Januar 2016). Advances in Diagnosis and Treatment. Abgerufen am 29.03.2021 über https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26757467/
  • MDS Manual. (März 2020). Verstopfung bei Erwachsenen. Abgerufen am 39.03.2021 über https://www.msdmanuals.com/de-de/heim/verdauungsstörungen/ /symptome-von-verdauungsstörungen /verstopfung-bei-erwachsenen

Zuletzt aktualisiert am: 21.04.2021
Hochgeladen am: 21.04.2021
Bildnachweis: Foto von Bill Oxford über Unsplash

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