Verstopfung und Fasten

Darm-Detox – Verdauungssegen oder Verdauungsfluch?
Verstopfung Fasten

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Fasten gilt als der Frühjahrsputz für den Darm. Wie neugeboren soll er sich nach dem Sanierungsprogramm fühlen. Doch was ist dran an dem Ernährungshype und wie gut vertragen sich Fasten und Verstopfung? 

Mach’s gut innerer Schweinehund! Wir sehen uns in ein paar Wochen. Bis dahin stehen Sahnetorte, Steak und Schokoriegel auf der schwarzen Liste. Ab sofort heißt es nämlich „Darm-Detox“ statt „Schlemmer-Marathon“. Doch Moment, eigentlich müsste der Darm jetzt ganz aus dem Häuschen sein – endlich Verdauungsurlaub. Seine Vorfreude hält sich jedoch in Grenzen. Seit ein paar Tagen verdirbt ihm eine Verstopfung die Urlaubsvorfreude. Jetzt sitzen Sie in der Zwickmühle. Was tun Sie – trotz Verstopfung fasten oder das Darm-Detox vertagen? Finden wir es gemeinsam heraus. Erfahren Sie, ob Fasten bei Verstopfung ratsam ist und was sich Ihr Darm beim Entschlacken wünscht. 

Fasten – kleine Verschnaufpause für den Darm

Stellen Sie sich vor: Sie arbeiten 365 Tage im Jahr ohne Pause. Wochenenden, Feiertage und Urlaub sind gestrichen. Wie lange halten Sie das durch – drei Wochen, ein paar Monate oder ein halbes Jahr? 

Über kurz oder lang gehen Körper und Geist die Puste aus. Sie brauchen eine Verschnaufpause. Genauso ergeht es Ihrem Darm. Pausenlos ist er für Sie im Einsatz. Mal ist er mit einem großen Cordon bleu beschäftigt, mal mit einem cremigen Stück Schokokuchen. Hat sich das fleißige Kerlchen nicht ein paar Tage Darm-Urlaub verdient? 

Definitiv, für seinen vorbildlichen Verdauungseinsatz belohnen viele ihren Darm mit einer Fastenkur. Sie verzichten vorübergehend auf feste Nahrung oder bestimmte Lebens- und Genussmittel wie Zucker, Fleisch, Koffein oder Alkohol. 

Wie lange das Darm-Detox dauert, entscheidet jeder selbst. Manche disziplinieren sich sechs Tage, manche zwei Wochen. Besonders ambitionierte Faster reißen sich 40 Tage lang am Riemen. Von Aschermittwoch bis Ostern sind Schokolade, Cocktails & Co. tabu. Doch warum genau tun wir uns das an? 

Wir verzichten unserem Körper zuliebe. Dank unserer Disziplin landet plötzlich deutlich weniger Arbeit auf dem Darm-Schreibtisch. Und je weniger er zu tun hat, desto besser kann er sich regenerieren. Gerade Dünn- und Dickdarm, unsere beiden Schwerstarbeiter bei der Nahrungsverarbeitung, wissen die kleine Verschnaufpause zu schätzen. Da der Körper beim Fasten weniger Nahrung aufnimmt, entsteht auch weniger Nahrungsbrei. Und schon hat die Abteilung „Nahrungsverarbeitung“ leichteres Spiel. 

Fasten – der heimliche Auslöser von Verstopfung

Kein Zweifel: Fasten ist der Ernährungstrend schlechthin. Manche sprechen vom Frühjahrsputz für den Darm, andere von Darmsanierung oder Verdauungs-Reset. Doch das Darm-Detox hat auch seine Tücken. Oft ist der Verzicht mehr Verdauungsfluch als Verdauungssegen. 

Denn wussten Sie, dass Fasten nicht selten zur Ursache von Verstopfung wird? Die Hauptschuldigen am Verdauungs-Blues sind Abführmittel. Mit Glauber- und Bittersalzen, einem jahrhundertealten Entschlackungsgeheimnis, leiten viele ihr Darm-Detox ein. Die Salze „reinigen“ den Verdauungstrakt und stimmen ihn auf die Fastenkur ein – ob als Einlauf oder als Salzlösungen zum Schlucken. 

Daraufhin wird es ruhig im Darm – manchmal sogar zu ruhig. Durch den Nahrungsverzicht und das intensive Abführen kommt nur noch wenig Nahrungsbrei nach. So schaltet die Darmmuskulatur in den Urlaubsmodus. In vollen Zügen genießt sie ihre neu gewonnene Freizeit. Der Darm wird träge, langsam und gemütlich. Schwerstarbeit? Ohne mich! Doch über kurz oder lang rächt sich der verlängerte Darmurlaub. Arbeitet die Muskulatur nur noch auf Sparflamme, werden die Besuche auf dem stillen Örtchen immer seltener. Und je weniger Darm-Dates wir haben, desto unzufriedener wird unser Verdauungstrakt. Mit drückendem Bauchschmerz, zornigem Gluckern, Müdigkeit, Völlegefühl und Blähungen beschwert er sich über die seltenen Rendezvous.

Fasten bei chronischer Verstopfung – Verdauungsfluch statt Verdauungssegen

Gerade bei chronischer Verstopfung ist Fasten oft mehr Verdauungsfluch als Verdauungssegen. Der Darm ist hundemüde. Schaltet er beim Entschlacken noch einen Gang weiter runter, schläft er beim Verdauen förmlich ein. Er wird zu einer regelrechten Verdauungsschnecke. 

Eine persische Studie aus dem Jahr 2017(1) liefert den Beweis. Während des Fastenmonats Ramadan verbesserten sich alle Magen-Darm-Beschwerden der Probanden bis auf die chronische Verstopfung. In einigen Fällen hat sie sich sogar noch verschlimmert. 

Sie möchten trotz ständigem Verdauungs-Blues nicht auf Ihr Darm-Detox verzichten? Dann informieren Sie sich am besten vor dem Fastenstart beim Arzt Ihres Vertrauens – sicher ist sicher. 

Fasten gegen Verstopfung: 6 Tipps für das Darm-Detox

Fasten ist eine Herausforderung für Kopf und Körper. So will das Darm-Detox gut geplant sein. Hier sind unsere Top 6 für eine darmfreundliche Entschlackungskur:

  1. Weniger ist mehr: Sie verzichten komplett auf feste Nahrung? Chapeau, so viel Disziplin verdient Respekt. Doch eine Woche Totalfasten ist völlig genug. Länger sollten Sie Ihren Darm nicht hinhalten. Sonst bekommt er noch schlechte Laune.
  2. Fasten gegen Verstopfung – nicht ohne meinen Arzt: Fasten Sie mit einem Profi an Ihrer Seite. Unter der Fastenanleitung Ihres Arztes entschlacken Sie mit gutem Gewissen. Gerade, wenn Sie regelmäßig Medikamente einnehmen oder Insulin spritzen, ist die Expertenmeinung nicht nur goldwert, sondern unverzichtbar.
  3. Immer mit der Ruhe: Unser Darm ist ein sensibles Wesen. Er braucht seine Zeit. Gerade bei starken Umstellungen wie beim Totalfasten müssen Sie geduldig mit ihm sein. Genehmigen Sie ihm zwei bis drei Tage Eingewöhnungszeit vor Fastenbeginn. Von Tag zu Tag essen Sie ein kleines bisschen weniger. So fällt ihm das Darm-Detox gleich leichter.
  4. Wasser marsch: Heißhungerattacke? Das haben wir gleich. Kalorienfreie Erfrischungen stillen den kleinen Hunger. Mineralwasser, ungesüßte Kräutertees und stilles Wasser schenkt sich der Darm am liebsten ein. Sie mögen es aromatischer? Ein Schuss Frucht- oder Gemüsesaft verwöhnt den Gaumen, ohne die Fastenregeln zu brechen. Normalerweise sind Sie mit 1,5 bis 2 Litern Flüssigkeit pro Tag auf der sicheren Seite. Beim Entschlacken darf es aber ruhig etwas mehr sein. 2,5 Liter täglich hat sich der durstige Darm verdient.
  5. Puffertage: Glückwunsch, Sie haben Ihren inneren Schweinehund erfolgreich ignoriert. Jetzt geht es langsam zurück zur Normalität. Doch, bevor Sie zum gewohnten Speiseplan zurückkehren, geben Sie Ihrer Verdauung zwei bis drei Puffertage. Jeden Tag essen Sie ein kleines bisschen mehr. So gewöhnt sich der frisch erholte Darm langsam wieder an die alte Nahrungsaufnahme.
  6. Soforthilfe gegen Gelüste: Der Vanillepudding sieht einfach zum Anbeißen aus – genau wie der saftige Cheeseburger mit seinen knusprigen Pommes. Beim würzigen Duft der Penne Arrabiata schmelzen Sie förmlich dahin. Gefühlt überall lauern köstliche kleine Sünden. „Iss mich“, rufen sie Ihnen mit verführerischer Stimme zu. Da kann der Stresspegel schon einmal steigen. Wie sollen Sie da nur widerstehen? Doch immer mit der Ruhe: Sie schaffen das. Wenn die Versuchung wieder einmal zu groß ist, besänftigen Sie den lüsternen Darm mit Yoga, Pilates, Meditation oder Autogenem Training. Oder wie wäre es mit einem kurzen Spaziergang, einem guten Buch oder der Lieblings-Playlist?

Zuletzt aktualisiert am: 30.06.2021
Veröffentlicht am: 01.07.2021

Quellenverzeichnis
  1. (1)Keshteli, A. H., Sadeghpour, S., Feizi, A., Boyce, P., & Adibi, P. (2017). Evaluation of Self-Perceived Changes in Gastrointestinal Symptoms During Ramadan Fasting. Journal of religion and health, 56(5), 1620–1627. https://doi.org/10.1007/s10943-015-0160-0
  2. Robert Kopf (2019). Verstopfung: Behandlung mit Heilpflanzen und Naturheilkunde. Bookrix.
  3. Keshteli et. al. (2015). Valuation of Self-Perceived Changes in Gastrointestinal Symptoms During Ramadan Fasting.
  4. Birgit Frohn & Prof. Dr. Stephan Mielke (2018). Faszination Darm: Funktionen verstehen, Probleme erkennen, Beschwerden behandeln. München, Deutschland. Gräfe und Unzer Verlag.

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