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Häufig stinknormal: Ursachen von Blähungen

Mögliche Gründe dafür, warum im Darm die Zeichen auf Sturm stehen
Blähungen Ursachen

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Dass der Darm ab und zu zum lautstarken und geruchsintensiven Darmkonzert lädt, ist zwar unangenehm, aber gesund und stinknormal. Genauso wie die häufigsten Ursachen für gelegentliche Blähungen. Wenn sich das Darmkonzert aber zu zahllosen Zugaben hinreißen lässt, könnte mehr dahinterstecken als das bloße Zusammenspiel von Nahrung und Darmbakterien. Gehen wir dem Pups auf den Grund.

Pupsen, furzen, gasen, koffern, einen fahren lassen oder ganz poetisch: abgehende Darmwinde. Die Liste der Synonyme für Blähungen ist ganz schön lang. Unter Sprachwissenschaftlern ein untrügliches Zeichen dafür, dass wir es mit etwas weit Verbreitetem und völlig Alltäglichem zu tun haben. Und genau das ist der Fall: Pupsen ist ganz normal.

Wussten Sie, dass 10 bis 20 Pupse pro Tag aus medizinischer Sicht überhaupt kein Grund zur Beunruhigung sind?

Heißt im Umkehrschluss, dass gelegentliche Blähungen der beste Beweis dafür sind, dass unsere Verdauung funktioniert und im Darm alles im Lot ist. Oder wie Martin Luther seinerseits schon fragte: „Warum rülpset und furzet ihr nicht? Oder hat es euch nicht geschmecket?“

Trotzdem sprechen wir kaum über unsere Darmwinde. Selbst Partner oder Ärzte sollten am besten nichts erfahren oder gar riechen. Vielleicht wird es einfacher, wenn wir mehr über die Ursachen von Blähungen erfahren? Dann können Sie nicht nur gelassener auf die Darmwinde reagieren, sondern– wenn es Ihnen zu viel wird – den Pupsen auch etwas Einhalt gebieten. 

Hinter den meisten Darmwinden verbergen sich simple Kleinigkeiten wie zu viele Böhnchen – schließlich heißt es nicht umsonst „Jedes Böhnchen gibt ein Tönchen“ – mangelnde Bewegung oder zu hastiges Essen. Wenn man das weiß, lassen sich Blähungen häufig etwas reduzieren: der Nase Ihrer Liebsten, dem kleinen Schwarzen und Ihrem Wohlbefinden zuliebe.

Die Ursachen von Blähungen aufdecken: Gut zu wissen bei ständigen Flatulenzen

Ursachenforschung wird dann erst richtig wichtig, wenn Sie unter ständigen Blähungen leiden. Doch wann pupsen wir zu viel? Wenn Sie über mehrere Tage mehr als 20 Pupse pro Tag entlassen. Vielleicht sogar im Zusammenhang mit einem schmerzhaften Blähbauch (medizinisch korrekt: Meteorismus), Bauchschmerzen oder wirklich unerträglichem Geruch. Dann haben wir es mit einer Überblähung zu tun: zu viel Gas im Darm oder unzureichende Transportwege. 

In solchen Fällen verbergen sich für Ihren Arzt oder Ihre Ärztin hinter den kleinen stinkenden Darmwinden wertvolle Signale für Erkrankungen wie etwa dem Reizdarmsyndrom oder gar einem Darmverschluss.

In der Regel sind Darmkonzerte aber vollkommen harmlos und normal. Kommen jedoch weitere Symptome hinzu, oder sind die Darmwinde anhaltend, können das wichtige Indikatoren dafür sein, dass Ihrem Darm nicht wohl bei der Arbeit ist.

Was ist Flatulenz?

Aus dem lateinischen „flatus“, also „Wind“ oder „Blähung“. Aus medizinischer Sicht versteht man unter dem Begriff Flatulenz den vermehrten Abgang von Darmgasen, die den Körper über den After verlassen. Kurz gesagt: übermäßige Darmwinde. Ein aufgeblähter Bauch hingegen – also wenn sich Blähungen im Darm ansammeln – wird als Blähsucht, medizinisch korrekt: Meteorismus, bezeichnet. Flatulenz und ein Blähbauch können gleichzeitig oder getrennt voneinander auftreten.

Wie viel Blähungen sind normal?

Etwa 10 bis 20 Mal am Tag zu pupsen ist meistens unbedenklich. Wenn Sie über mehrere Tage hinweg mehr als 20 Mal am Tag den Darmwinden Luft machen müssen, Sie vermehrt unter Bauchschmerzen oder einem aufgeblähten Bauch (Meteorismus) leiden, und/oder die Winde sehr übel riechen sollten Sie sich damit lieber an Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin wenden.

Wie entstehen Blähungen eigentlich?

Pupse entstehen, sobald wir essen. Mit jedem Happs nehmen wir Sauerstoff und Stickstoff auf. So führt zu hastiges Essen dazu, dass mit der Nahrung mehr Luft geschluckt wird, die dann in den Verdauungstrakt gelangt. Dieser ganz unbewusst ablaufende Vorgang wird Aerophagie genannt. Gespickt mit dem Nahrungsbrei wandert die Mischung in Richtung Dünndarm, wo weiteres Gas-Gepäck aufgeladen wird: Kohlendioxid. Im Dickdarm kommt es dann tatsächlich dicke.

Beim Abbau von Kohlenhydraten und Eiweißen entsteht das dritte Gas für das fröhliche Darmkonzert: Methan. Summa summarum kommen wir so auf bis zu 2,5 Liter Gas pro Tag. Den Großteil befördert unser Körper weitgehend geruchs- und geräuschlos über die Lungen wieder vor die Tür. Aber 500 bis 700 Milliliter nehmen den Hinterausgang, den Po. Und damit es auch jeder mitbekommt, lassen die Gase den Anus zum Abschied vibrieren: „Pffft“. Wenn die Bakterien im Dickdarm mit besonders ballaststoffreichen- und schwefelhaltigen Nahrungsmitteln Bekanntschaft gemacht haben, entstehen zusätzlich Schwefelwasserstoffe, die dann ganz schön übel riechen können.

Schon gewusst?

Unser Körper produziert bis zu 2,5 l Gas täglich. Bis zu 700 ml davon werden über den Anus ausgeschieden – also als Pups. Unsere Darmgase bestehen übrigens zum Großteil aus Kohlendioxid, Methan und Wasserstoff.
Wir Menschen produzieren im Übrigen nicht ganz so viel Methan, wie eine Kuh. Etwa alle drei Minuten entweicht einer Kuh ein Wind – im Jahresdurchschnitt macht das über 100 Kilogramm Methan. In der klimaschädigenden Wirkung entspricht dies einem CO2-Ausstoß von 18.000 gefahrenen Autokilometern.

 1. Ballaststoffe als Ursache für Blähungen – Jedes Böhnchen gibt ein Tönchen

Darmwinde sind das Ergebnis der Liaison von Nahrung und Darmbakterien. Dementsprechend gehört auch die Ernährung zu den hauptsächlichen Ursachen für Blähungen – zuvorderst ballaststoffreiche Lebensmittel wie Hülsenfrüchte, Vollkornbrot sowie bestimmte Gemüse- und Obstsorten. 

Ballaststoffreiche Nahrung gilt allgemein als Superfood für den Darm und kann insbesondere einer Verstopfung vorbeugen oder die Beschwerden eines trägen Darms lindern. Sie können allerdings unter Umständen zu Blähungen führen, nämlich wenn: 

  • sie falsch zubereitet worden sind wie z. B. nicht ausreichend eingeweichte Linsen. 
  • Sie nicht daran gewöhnt sind und die Verzehrmenge von Ballaststoffen zu schnell und plötzlich steigern. Ihr Darm braucht Zeit für die Umgewöhnung. 
  • sie in Kombination mit blähenden Nahrungsmitteln wie Kohl und Zwiebeln oder Getränken wie stark kohlensäurehaltigem Wasser verspeist werden.  
  • Brot und Kuchen zu „ofenfrisch“ gegessen werden. 
  • sie in Kombination mit fettigen Lebensmitteln verdaut werden müssen.  
  • Sie zu hastig und ohne ausreichendes Kauen essen.
  • viel Kaffee oder Alkohol zusätzlich konsumiert wird. 
  • Sie zu große Portionen essen. 

Es spricht dennoch nichts gegen eine ballaststoffreiche Ernährung, wenn Sie auf der Hut vor den oben genannten Auslösern sind. 

Solange Sie die Menge an Hülsenfrüchten, Obst, Gemüse und Vollkornbrot nur langsam steigern, nicht falsch kombinieren oder zu schnell essen, sollten auch die Flatulenzen zurückgehen. Ein Schluck Fenchel- oder Anistee kann zusätzlich wahre Wunder wirken. Auch Kümmel wirkt entblähend und entlastet den Darm.

 2. Milch, Fruchtzucker & Weizen: Nahrungsmittelunverträglichkeiten als Pups-Quelle

Wenn die Wunder aber ausbleiben und der Darm trotz zahlreicher Vorsichtsmaßnahmen munter zum Darmkonzert bläst, könnte auch eine Nahrungsmittelunverträglichkeit dahinterstecken. Insbesondere Fruktoseintoleranz, Laktoseintoleranz sowie Glutenunverträglichkeit sind echte Garanten für lautstarke Darmwinde. 

Eine Glutenunverträglichkeit (medizinisch auch Zöliakie) erkennen Sie oftmals an Blähungen im Zusammenhang mit starken Bauchschmerzen, Konzentrationsstörungen und Kopfschmerzen, sobald Sie Weizen zu sich genommen haben. Im Falle einer Laktoseintoleranz kommt es neben den lästigen Blähungen zu recht plötzlichen Bauchkrämpfen und Durchfall nach dem Verzehr bestimmter Milchprodukte. Ganz ähnlich macht sich auch eine Fruktoseintoleranz bemerkbar. Ob die Resorption des Darms bei bestimmten Nahrungsmitteln tatsächlich gestört ist und sich deswegen zu viele Gase ansammeln, sollten Sie im besten Fall direkt mit dem Arzt oder der Ärztin abklären.      

 3. Wenn ein Pups quer liegt: Stress als Ursache für Blähungen

Sie kennen doch bestimmt die Redewendung „mir sitzt ein Pups quer“? Sie spiegelt auf umgangssprachliche Art und Weise die enge Beziehung zwischen Darm und Gehirn wider. Muss das Oberstübchen mit großen psychischen Belastungen, Angst oder Stress fertigwerden, sendet es automatisch Signale an die unteren Etagen von Magen und Darm, die darauf mit Blähungen, Verstopfungen oder Durchfall reagieren. 

Der Störfaktor Stress wird nicht selten auch noch dadurch verstärkt, dass wir gerade in solchen Situationen schneller und gehetzter essen und dabei jede Menge Luft verschlucken – Gase, die sich dann sammeln und ordentlich Dampf ablassen.  

Wärmflaschen, warme Wickel oder Großmutters Kartoffelauflage können erste Linderung verschaffen. Oder wie wäre es mit einem Verdauungsspaziergang? Aber zunächst gilt: Bewahren Sie Ruhe und versuchen Sie, sich zu entspannen. Dann lösen sich lästige Blähungen in Luft auf – diesmal geräusch- und geruchslos. 

 4. Mal hü, mal hott: Hormonschwankungen als Quell des stinkenden Übels    

Viele Frauen klagen während ihres Menstruationszyklus oder während der Schwangerschaft über einen aufgeblähten Bauch und vermehrte Blähungen. Grund dafür ist das Hormon Progesteron. Seine Konzentration ist zwei Wochen vor der Menstruation besonders hoch und es lässt die Darmwände träge werden sowie die Gasansammlung im Darm ansteigen.

 5. Wenn Blähungen zur Chefsache werden: Blähungen als Indikator ernster Krankheiten

Wie eingangs erwähnt, sind gelegentliche Blähungen stinknormal und stellen absolut keinen Grund zur Beunruhigung dar. In seltenen Fällen steckt aber eine Darmerkrankung hinter den Winden. Hierzu gehören: 

  • Reizdarmsyndrom, besonders vom obstipationstyp
  • Darmstenosen / Darmlähmungen
  • Störungen der Darmflora (z. B. infolge einer Antibiotikatherapie) 
  • Funktionsstörung der Bauchspeicheldrüse (medizinisch: Pankreasinsuffizienz)    
  • Darmverschluss
  • Leberzirrhose 
  • Infektionskrankheiten des Darms (z. B. Giardiasis – eine Durchfallerkrankung, die durch den Darmparasiten Giardia lamblia ausgelöst wird und an der heutzutage in Deutschland und anderen Industrieländern nur etwa 5 bis 8 von 100.000 Menschen erkranken(1) (2) )
  • Kurzdarmsyndrom
  • Darmkrebs

Wenn Sie unter ständigen Blähungen leiden und Ursachen wie Stress, Hormone oder die Ernährung sicher ausschließen können, sollten Sie einen Arzt oder eine Ärztin konsultieren. Und bitte keine Scheu! Darmwinde sind entweder völlig normal oder Boten einer organischen Erkrankung, die es aufzudecken und zu behandeln gilt.

Quellenverzeichnis
  1. (1) Österreichische Ärztezeitung (10.05.2018). Parasitäre Durchfallerkrankungen: Selten, aber hartnäckig. Erschienen in Österreichische Ärztezeitung Nr. 9. Zuletzt abgerufen am 28.07.2021 über https://www.aerztezeitung.at/archiv/oeaez-2018/oeaez-9-10052018/dossier-parasitaere-durchfallerkrankungen-selten-aber-hartnaeckig.html
  2. (2) Schubert, S., Lübbert, C. DGIM Innere Medizin – Giardia lamblia. e.Medpedia – Springer Medizin Verlag GmbH. Zuletzt abgerufen am 27.07.2021 über https://www.springermedizin.de/emedpedia/dgim-innere-medizin/giardia-lamblia?epediaDoi=10.1007%2F978-3-642-54676-1_310.
  3. Dr. med. Hermann Harder (2005). Meteorismus – Ursachen und gezielte Therapieansätze. Aufgerufen am 20.05.2021 über https://www.aerzteblatt.de/archiv/49264/Meteorismus-Ursachen-und-gezielte-Therapieansaetze.
  4. Dr. med. Martin Wilhelmi (06.0.7.2017). «Wie schwanger!» – Blähungen, Blähbauch und Flatulenz. Abgerufen am 20.05.2021 über https://www.universimed.com/ch/article/gastroenterologie/wie-schwanger-blaehungen-blaehbauch-und-flatulenz-2123021
  5. Professor Dr. Martin Storr (2015). Ernährungsratgeber zur FODMAP-Diät. München, Zuckschwert Verlag.

Zuletzt aktualisiert am: 27.07..2021
Veröffentlicht am: 12.08.2021

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