• Blähungen

Was ist Simeticon und wie wirkt es?

Die Wunderwaffe gegen Schaumschläger sorgt für Entspannung im Darm
Simeticon – So wirkt es

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Wenn Sie häufiger unter Blähungen leiden und sich bereits informiert haben, was Sie dagegen tun können, ist Ihnen der Name dieses Zaubermittels vielleicht schon einmal begegnet: Simeticon. Aber was genau ist das eigentlich? Erfahren Sie hier alles über den Wirkstoff an sich, was er in unserem Darm macht und wogegen er hilft.

Einfach gesagt: Simeticon ist ein sogenannter Entschäumer – ein Wirkstoff, der dabei hilft, zu viel Schaum und Gas im Magen-Darm-Trakt zu beseitigen. Detaillierter: Es handelt sich dabei um einen Arzneistoff aus der Gruppe der sogenannten Carminativa (Mittel gegen Blähungen). Er wird oral eingenommen, etwa in flüssiger Form oder als praktisches Pulver zum Einrühren in Müsli oder Getränke. Zum Einsatz kommt Simeticon insbesondere als schneller Helfer bei Blähungen, Völlegefühl oder durch Gasansammlungen verursachte Schmerzen im Bauchraum. Außerdem ist Simeticon auch bei Vergiftungen mit Tensiden, zum Beispiel durch Wasch- oder Spülmittel, das Gegenmittel (Antidot) der Wahl, weil es einer übermäßigen Schaumbildung entgegenwirkt. Keine Chance für „Seifenblasen“ im Bauch! 

Simeticon wirkt grundsätzlich so sanft, dass es in der richtigen Dosierung auch schon bei den sogenannten Dreimonatskoliken bei Säuglingen gegeben werden kann. Außerdem wird Simeticon vor oder nach Operationen eingesetzt, die mit einer verstärkten Gasbildung im Magen-Darm-Trakt einhergehen. Auch bei einigen bildgebenden Untersuchungen zu Diagnosezwecken, wie etwa einer Sonografie (Ultraschall), Endoskopie oder Röntgenaufnahmen, eignet sich Simeticon als Hilfsmittel: Zu viele Gasblasen im Magen-Darm-Trakt können nämlich Schatten werfen und damit das Bild verdunkeln. Simeticon reduziert die Gasschatten und verschafft damit dem untersuchenden Arzt freie Sicht.

Eine Runde Chemie: Was ist Simeticon?

Chemie war nicht Ihr Lieblingsfach in der Schule? Keine Sorge, wir fassen uns kurz. Der Name „Simeticon“ ist eigentlich eine Kurzbezeichnung und setzt sich aus den Namen der beiden Wirkstoffe Dimeticon und Siliziumdioxid zusammen. Dimeticon ist ein einfaches, flüssiges Silikonöl (auch Polydimethylsiloxan), das quasi aktiviert wird, sobald die festen Siliziumdioxidpartikel mit ins Spiel kommen. Simeticon enthält daher neben Dimeticon noch 4 bis 7 % feste Siliziumdioxidpartikel – und so entsteht der Name:

„Si(liziumdioxid)“ + „Dimeticon“ = „Simeticon“

Die Siliziumdioxidpartikel sorgen dafür, dass Simeticon schneller wirkt als reines Dimeticon. Dimeticon alleine bewirkt eine langsame, über Stunden ablaufende Auflösung des Schaums. Die festen Bestandteile der Siliziumdioxidpartikel sorgen daher sozusagen für den Turbo-Effekt, indem sie es den aktiven Substanzen ermöglichen, schneller in die Flüssigkeits-Luft-Grenzfläche einzudringen. 

In Studien konnte Simeticon sogar Milchschaum innerhalb von Sekunden komplett auflösen – schade für den Latte Macchiato, aber gut für Ihr Wohlbefinden, wenn sich die gleiche Wirksamkeit bei schaumigen Problemen in Ihrem Darm entfaltet.

Träume statt Schäume: Wie funktioniert Simeticon?

Bei Störungen der Verdauung bilden sich im Magen-Darm-Trakt oft vermehrt Gase, die in einem trägen, feinblasigen Schaum gebunden sind und nicht entweichen können. Bei größeren Ansammlungen, wie etwa nach dem Verzehr von kohlensäurehaltigen Getränken oder blähenden Lebensmitteln, führt der Schaum zu Beschwerden wie Völlegefühl oder Bauchschmerzen. 

Wie in der Badewanne ist dieser Schaum stabiler als einzelne Seifenblasen. Das erschwert es dem Körper, die Gase wie sonst üblich über die Darmwand aufzunehmen, in manchen Fällen wird dies sogar komplett unmöglich. Simeticon verringert die Oberflächenspannung der feinen Gasbläschen, die im Nahrungsbrei und im Schleim des Verdauungstraktes schlummern, und vereinigt sie kurzerhand zu größeren Gasblasen. Diese können dann endlich ihren üblichen Weg gehen und von der Darmwand resorbiert oder mithilfe der Darmbewegungen vor die Tür gejagt werden. In den meisten Fällen lassen damit auch die Beschwerden nach – und Sie können wieder entspannt aufatmen.

Simeticon wirkt ausschließlich physikalisch, nicht chemisch. Und es ist ein Helfer, der bei minimalem Personalaufwand überaus flott agiert: Bereits bei einer Konzentration von 0,1 Milligramm pro Milliliter „zerstört“ Simeticon Schäume in nur drei bis sechs Sekunden. Auch für eine (prophylaktische) Schaumverhinderung, die immerhin rund 24 Stunden anhält, ist diese Konzentration ausreichend. Ein echter Schaumschläger sozusagen! Sobald der fleißige Held seine Arbeit erledigt und allen Schaum aufgelöst hat, wird er unverändert auf natürlichem Wege wieder ausgeschieden. 

Wann ist Simeticon das Richtige für mich?

Simeticon hilft Ihnen immer dann, wenn Sie zu viel Gas im Bauch haben. Das kann nach einem reichhaltigen Essen bei Tante Berta oder nach dem Genuss blähender Lebensmittel wie Kohlgemüse, Hülsenfrüchten, Lauch oder Zwiebeln der Fall sein. Der köstliche Zwiebelkuchen, von dem es ein Stück mehr sein musste, macht sich mit unangenehmem Rumoren im Bauch bemerkbar? Simeticon sorgt für Ruhe im Karton. Auch zu schnelles Essen oder Stress können zu einer vermehrten Luftansammlung im Magen-Darm-Trakt führen. Ebenso bildet sich nach Operationen oft Gas im Bauch. Während Sie noch geschafft und von der Narkose dämmernd im Bett liegen, sehnt sich Ihr Darm nach Bewegung, um wieder auf Trab zu kommen. Zudem schränken einige Medikamente, etwa zur Schmerztherapie nach Operationen, die Darmaktivität ein. Vor allem nach Operationen im Bauchbereich dauert es eine Weile, bis der Darm seine normale Funktion wieder aufnimmt. Diese vorübergehende Darmträgheit führt häufig zu einer vermehrten Gasansammlung im Magen-Darm-Trakt – und damit zu unangenehmen Bauchschmerzen. Hier kann Simeticon helfen, gegebenenfalls auch schon prophylaktisch, das sollten Sie aber mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Arzt vorab absprechen.

Wenn Sie zu Verdauungsproblemen neigen, können Sie simeticonhaltige Mittel auch vorbeugend einsetzen: zum Beispiel dann, wenn Sie wissen, dass ein schweres Essen bevorsteht oder dass Ihre Verdauung durch eine Reise, durch Stress oder einen Tag mit wenig Bewegung belastet wird. Vor Operationen besprechen Sie die Einnahme von Simeticon am besten mit dem behandelnden Arzt. Die Wirkung des Mittels hält für bis zu 24 Stunden an, in denen Sie Ihre Ruhe vor Magen-Darm-Beschwerden haben sollten. Auch in der Schwangerschaft, in der es hormonbedingt und durch den geringeren Platz im Bauchraum häufiger zu Blähungen kommt, kann Simeticon Abhilfe schaffen.

Und wann darf ich Simeticon nicht einnehmen?

Simeticon ist trotz seiner Wirksamkeit ein wirklich gut verträgliches Mittel. Es ist deshalb ein so beliebter Wirkstoff, weil er nur lokal im Darm wirkt und nicht vom Körper aufgenommen wird. Aktuell sind keine nennenswerten Nebenwirkungen bekannt. Simeticonhaltige Arzneimittel dürfen auch während der Schwangerschaft und Stillperiode eingenommen werden. Während der Schwangerschaft sollten Sie die Anwendungsdauer sicherheitshalber auf drei Tage begrenzen und danach erst einmal 14 Tage pausieren. 

Hinweis: Beachten Sie vor der Einnahme von entsprechenden Medizinprodukten und Arzneimitteln bitte immer die Anweisungen des Beipackzettels.

Nicht einnehmen sollten Sie Simeticon, wenn bei Ihnen eine Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff besteht. Auch im Falle eines Darmverschlusses (Ileus) dürfen simeticonhaltige Arzneimittel nicht verabreicht werden. Wechselwirkungen von Simeticon mit anderen Arzneimitteln sind kaum bekannt. In sehr seltenen Fällen wurden Wechselwirkungen mit den folgenden Wirkstoffen beobachtet: Warfarin, Digoxin, Ribavirin, Carbamazepin. Wenn Sie eines dieser Mittel einnehmen, sollten Sie also vor der Gabe von Simeticon sicherheitshalber mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin sprechen.

Das gilt im Übrigen auch dann, wenn Sie immer wieder Beschwerden mit Gasbildung im Magen-Darm-Trakt und Bauchschmerzen haben. Dann gehen Sie bitte zum Arzt und lassen abklären, ob nicht doch eine ernstere Ursache dahintersteckt.

Quellenverzeichnis
  • Dittrich, M. / Miederer, S. E. / Havertz, B. / Krastev, R. (Januar 2010). Schaumzerstörung und Schaumverhinderung: Der Wirkmechanismus von Simeticon in vitro. Journal für Gastroenterologische und Hepatologische Erkrankungen 8 (3). Abgerufen am 27.04.2021 über https://www.researchgate.net/publication/238765923_Schaumzerstorung_und_Schaumverhinderung_Der_Wirkmechanismus_von_Simeticon_in_vitro
  • Thieme Verlag (2016): Simeticon. Abgerufen am 27.04.2021 über https://eref.thieme.de/images/supmat/292010101_Simeticon.pdf
  • Flexikon (09.06.2016). Simeticon. Abgerufen am 27.04.2021 unter https://flexikon.doccheck.com/de/Simeticon

Zuletzt aktualisiert am: 18.05.2021
Veröffentlicht am: 26.05.2021

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