Was ist Macrogol und wie wirkt es?

So wirkt Everbody’s Darling unter den Abführmitteln
Was ist Macrogol und wie wirkt es?

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Ein Abführmittel, das im klassischen Sinne keines ist: Macrogol. Nach dem „Hier rein, da raus“-Prinzip wird der Wirkstoff vom Körper weder absorbiert noch transformiert, sondern nach getaner Arbeit einfach ausgeschieden – zusammen mit dem endlich wieder weichen Stuhl. Schonend und wirksam zugleich. Kein Wunder, dass Macrogol nicht nur unsere, sondern auch die Hitliste vieler Mediziner als Abführ-Darling anführt. Wir zeigen warum.

Laxantien, oder auch Laxanzien, (medizinisch korrekt für Abführmittel, von lateinisch laxare „lockern“) setzen unterschiedlichste Hebel im Darm in Bewegung, damit sich harter Kot bei einer Obstipation (oder auch Verstopfung) wieder verdünnisiert. Die einen sorgen einer Armada gleich im Nu für einen leeren Darm – aber auch für reichlich Kollateralschaden, indem sie das Sensibelchen Darm unnötig in Aufruhr versetzen. Und die anderen? Naja, sie wirken neben den Abführmittel-Schlachtschiffen wie kleine Nussschalen: harmlos, aber eben auch wirkungslos. Soll heißen: Der lahme Darm drückt angesichts ihrer Wirkweise noch mal genüsslich auf die „Schlummerfunktion“.

Zwischen diesen Extremen verbirgt sich eine ganze Reihe von gleichsam wirksamen wie gut verträglichen Medizinprodukten gegen Obstipation, die der Verstopfung den Kampf ansagen und Nebenwirkungen weitgehend umschiffen. Allen voran wasserziehende Mittel, sogenannte osmotische Mittel, wie Macrogol.

Präparate mit Macrogol zur Symptombehandlung bei Magen-Darm-Problemen wirken nämlich, ohne anzuecken. Sie hinterlassen nichts als das Gefühl der Erleichterung auf der Toilette. Dank ihrer nicht resorbierenden Eigenschaften und reiner Physik bringen sie unser komplexes Verdauungssystem nicht unnötig aus der Balance. Und es kommt noch besser: Anders als viele andere Wirkstoffe, kommt es bei Mitteln auf Macrogol-Basis nicht zu einem Gewöhnungseffekt. Im Folgenden zeigen wir Ihnen, wie und warum Physik im Darm tatsächlich funktionieren kann.

Das ist Macrogol: Bloß nicht anecken

Um Macrogol wirklich auf den Grund zu gehen, kommen wir an etwas Chemie nicht vorbei, doch wir versprechen, es so einfach wie möglich zu halten. Macrogol ist zunächst ein biologisch inertes und nicht resorbierbares Polymermolekül. Oder mit anderen Worten: Es handelt sich um Kunststoffe, die die biologischen Prozesse im Körper weder beeinflussen noch von ihm aufgenommen werden. Im Fall von Macrogol handelt es sich um einen synthetischen Stoff auf der Basis zweiwertiger Alkoholverbindungen mit zahlreichen Sauerstoffatomen: Polyethylenglykol oder auch kurz PEG genannt.

Ein biologisch nicht beeinflussendes Mittel soll die Allzweckwaffe gegen Verstopfung sein? Ist das schwer vorstellbar? Keine Sorge, wir sind da ganz bei Ihnen. Seine volle – und vor allem nachvollziehbare – Wirkung im Darm entfaltet PEG oder Macrogol erst in der nächsten Stunde: Physik.

So wirkt Macrogol: Das Abführmittel von Physikliebhabern

Die Wirkung von Macrogol beruht auf einem ganz einfachen physikalischen Prinzip: Das Polymer liebt nichts mehr als Wasser. Seine Sauerstoffatome ziehen über ein erstaunlich dichtes Netzwerk an Wasserstoffbrücken das Wasser an wie ein Schwamm. Je höher die Masse – und die Kennzahl des Wirkstoffes –, desto geringer die Hygroskopizität, also das Vermögen, Wasser zu binden.

Dabei macht Macrogol keinen Unterschied zwischen bereits im Darminneren vorhandenem Wasser und über ein Getränk zugeführtem Wasser. Dabei, und hier unterscheidet sich Macrogol stark von salinischen (salzartigen) Abführmitteln oder herkömmlichen osmotisch wirksamen Laxantien, entzieht der Wirkstoff dem Körper kein Wasser, um es in den Darm zu ziehen. Das hat den großen Vorteil, dass es bei der Einnahme von Macrogol weder zu einem Salz- und Wasserverlust noch zu einer Reizung der Darmwand durch unnötige Manipulation kommt. Darmentleerung ganz ohne Elektrolytverluste also, eine echte Seltenheit.

Schonende Linderung bei Verstopfung: Anwendungsbereiche von Macrogol

Mit diesem wirksamen und dennoch schonenden Trick 17 erhöhen isoosmotische Laxantien wie Macrogol das Stuhlvolumen und beschleunigen die Darmpassage. Oder mit anderen Worten: PEG-haltige Mittel sind nichts anderes als cleveres Plastik, das Wasser bindet, damit es auf dem Klo wieder läuft. Hier landet auch das Macrogol selbst. Denn die beiden Macrogol-Typen 3350 und 4000, die gegen Verstopfung eingesetzt werden, werden nicht resorbiert, sondern über den – dann endlich wieder weichen – Kot unverändert ausgeschieden. Somit entweicht Macrogol weder über die Darmwände noch setzt es sich im Körper ab – keine Chance, eine schädigende Wirkung auf den Organismus auszuüben.
Dadurch gehört Macrogol zu den wenigen Wirkstoffen gegen Obstipation, die auch bei anhaltenden Beschwerden und chronischer Verstopfung verabreicht werden können. Gleichzeitig gehören Macrogole zu jenen Wirkstoffen, die nicht nur zur symptomatischen Behandlung von Verstopfung, sondern auch zur Darmentleerung vor diagnostischen Untersuchungen, wie beispielsweise einer Darmspiegelung, verabreicht werden.

Wie wird Macrogol verabreicht?

Da es sich bei Macrogol um einen synthetischen Stoff handelt, ist es ausschließlich als Wirkstoff sowie Hilfsstoff in Form von Medizinprodukten – und aus historischen Gründen auch zum Teil Arzneimitteln – enthalten. Häufig werden macrogolhaltige Präparate als Granulat zur Herstellung einer Lösung zum Einnehmen verabreicht. Dies hat den Vorteil, dass dem Wirkstoff direkt bei seiner Einnahme Wasser hinzugefügt wird, das er zur Arbeit benötigt. Nicht selten wird Macrogol mit Elektrolyten wie Kaliumchlorid oder Natriumchlorid kombiniert, obgleich die Behandlung mit Macrogol ohne einen Elektrolytverlust einhergeht.

Kennt Macrogol Nebenwirkungen?

Dank seiner biologisch inerten und nicht resorbierbaren Eigenschaften und der physikalischen Wirkungsweise gehören Abführmittel mit Macrogol zu den verhältnismäßig schonenden Mitteln.

Aufgrund der Vielzahl an Arzneimitteln und Medizinprodukten mit dem Wirkstoff lassen sich nur schwer allgemeingültige Aussagen zur Häufigkeit auftretender Nebenwirkungen machen. Grundsätzlich können zu den Nebenwirkungen einer Behandlung mit Macrogol Kopfschmerzen, Erbrechen und Übelkeit, Juckreiz, Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall und Ödeme gehören.

Treten einige der genannten Nebenwirkungen auf, sollten Sie unbedingt einen Arzt konsultieren, um Behandlung und Dosierung gegebenenfalls anpassen zu lassen. Dies gilt insbesondere für Schwangere und stillende Mütter.

Übrigens: Kein Gewöhnungseffekt mit Macrogol

Da Macrogol nicht vom Körper verstoffwechselt wird und somit unverändert ausgeschieden wird, stellt sich kein Gewöhnungseffekt im Darm ein. Anders als andere abführende Mittel, wie beispielsweise Rizinusöl oder Glaubersalz, kommt Macrogol daher gerne auch bei einer chronischen Verstopfung zum Einsatz.

Wie lange darf man Macrogol einnehmen?
Da Mittel mit Macrogol ihre Wirkung nicht unmittelbar nach der Einnahme, sondern beim Durchlaufen des physikalischen „Schwamm-Prinzips“ entfalten, löst sich die Verstopfung nicht sofort, aber dafür umso schonender. Nach ungefähr 12 bis 48 Stunden sollten Sie in der Regel eine deutliche Besserung und wieder den Drang verspüren, das stille Örtchen aufzusuchen. Die Wirkeintrittsdauer kann aber bis zu vier Tage betragen. Im Normalfall können macrogolhaltige Mittel zeitunabhängig eingenommen werden. Manche bevorzugen jedoch die Einnahme am Abend, da unser Biorhythmus Einfluss auf unsere Darmtätigkeit nimmt und so die Wirkung frühestens am nächsten Morgen eintritt.

Dank seines nahezu spurlosen „Hier rein, da raus“-Wirkungsprinzips eignet sich Macrogol sowohl bei einer plötzlichen akuten Verstopfung als auch zur Langzeitanwendung bei anhaltenden und chronischen Verstopfungen. Macrogol kann daher, falls nötig, problemlos über Jahre eingenommen werden – ganz ohne Gewöhnungseffekt oder Abhängigkeit auszulösen.

Länger als zwei Wochen sollte die Eigenbehandlung mit Macrogol allerdings nicht andauern. Tut sich auf dem Klo dank Polymer-Power nach dieser Zeitspanne immer noch nichts, sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen.

Quellenverzeichnis
  • Christine Vetter (1999). Macrogol bei Obstipation. Abführen ohne Elektrolytverlust. Aufgerufen am 26.04.2021 über https://www.aerzteblatt.de/archiv/17818/Macrogol-bei-Obstipation-Abfuehren-ohne-Elektrolytverlust
  • Dr. Heiko ­Schiffter-Weinle (25.06.2015). PEG – das Multitalent. Aufgerufen am 26.04.2021 über https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2015/daz-26-2015/peg-das-multitalent
  • Dr. Birgit Benedek. Sind osmotische Laxanzien alle gleich? Abgerufen am 26.04.2021 über https://www.mmp-online.de/medwissinfo/Sind-osmotische-Laxanzien-alle-gleich.html

Zuletzt aktualisiert am: 20.05.2021
Hochgeladen am: 26.05.2021

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