Hilfreiche Softies: Wie wirken Stuhlweichmacher?

Geschmeidig wie Seide, ohne Pressen oder Trockenheit – Stuhlweichmacher wirken sanft und effektiv, doch auf die richtige Wahl kommt es an
Wie wirken Stuhlweichmacher?

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Wenn Sie zu den Menschen gehören, die hin und wieder oder sogar regelmäßig von einer Verstopfung geplagt werden, dann kennen Sie den drängenden Wunsch nach geschmeidiger Erleichterung. Sogenannte Stuhlweichmacher tragen ihre Wirkung schon im Namen. Doch wie funktioniert das eigentlich genau?

Es klemmt, es stockt, es schmerzt: Harter Stuhlgang kann einem das Leben ganz schön schwer machen. Wer unter Verstopfung leidet, wünscht sich einen geschmeidig weichen Stuhl, der ohne Anecken den Darm passieren und ohne Pressen ausgeschieden werden kann. Wenn dies allein durch eine ballaststoffreiche Ernährung, viel Flüssigkeit und ausreichend Bewegung nicht funktioniert, gibt es zum Glück ein paar nützliche Helfer, die den harten Kot zum Softie werden lassen.

Was sind Stuhlweichmacher?

Im engeren Sinne sind Stuhlweichmacher „Schmierstoffe“, die den Stuhl weicher und gleitfähiger machen, wie Docusat-Natrium, Glycerin und Mineralöl. Im erweiterten Sinne können auch osmotisch wirkende Abführmittel, wie Glaubersalz, Lactulose oder Sorbit als Stuhlweichmacher gelten.

Weich, weicher, am weichsten – die „Klassiker“ der Stuhlweichmacher

Der Begriff der „Stuhlweichmacher“ ist nicht ganz eindeutig definiert. Im engeren Sinne bezieht sich die Bezeichnung auf „Schmierstoffe“ wie Docusat-Natrium, Glycerin und Mineralöl. Sie emulgieren den Stuhl und machen ihn weich, sodass er sich leichter ausscheiden lässt. 

Was ist Docusat-Natrium?

Docusat-Natrium (im Englischen auch Docusate Sodium) ist eine sogenannte grenzflächenaktive Substanz aus der Gruppe der Detergenzien – die kennen wir vom Spülmittel. Sie sorgt für eine Senkung der Oberflächenspannung, was zu einer Erweichung führt. In einigen Ländern wird es daher als Stuhlweichmacher gegen Verstopfung eingesetzt, das innerhalb von fünf bis 20 Minuten eine Darmentleerung bewirkt. Laut der S2k-Leitlinie für chronische Obstipation(1) wird Docusat-Natrium jedoch in Deutschland nicht mehr zur Behandlung von Verstopfung empfohlen. In Deutschland kommt es eher in Ohrentropfen gegen Ohrenschmalzpfropfen zum Einsatz.

Was ist Glycerin?

Glycerin oder Mineralöl (insbesondere Paraffinöl) wurde früher angewendet, um den Stuhl weicher und gleitfähiger zu machen. Üblicherweise wurde es abends eingenommen, die Wirkung trat am nächsten Morgen (nach sechs bis zwölf Stunden) ein. Das ist allerdings nicht mehr der sogenannte State of the Art. Wegen der möglichen Nebenwirkungen, zum Beispiel weil es sich im Körper einlagern kann und weil es fettlösliche Vitamine mitnimmt, sollte Glycerin oder Mineralöl gegebenenfalls nur zurückhaltend und kurzfristig eingesetzt werden. Es kann zum Beispiel sinnvoll sein, wenn sich am After unangenehme Verletzungen befinden. Aber, ehrlich gesagt, gibt es heutzutage auch für diesen Fall gesündere Alternativpräparate.

Ein bisschen Osmose schadet nie: osmotische Abführmittel als Stuhlerweicher

Im erweiterten Sinne gelten auch osmotisch wirkende Abführmittel als Stuhlweichmacher – denn den Stuhl weich machen, das ist auch ihr hehres Ziel. Mit ihrer Wirkweise locken sie selbst einen überaus schüchternen Darm aus der Reserve, ohne ihn gleich zu überfordern. Der verhärtete, trockene Stuhl wird auf sanfte, sichere Weise aufgeweicht und so der Stuhlgang erleichtert. Das geschieht nicht im Hauruckverfahren, sondern über einen Zeitraum von etwa 24 bis 72 Stunden. So kann sich das Sensibelchen Darm in aller Ruhe an die Umstellung gewöhnen und sich mit den soften Helfern anfreunden – hier ist Geduld gefragt.

Was ist Osmose?

Als Osmose wird der gerichtete Fluss von einem Lösungsmittel durch eine teilweise durchlässige Scheidewand, auch semipermeable Membran, in eine gleichartige, aber stärker konzentrierte Lösung bezeichnet.

Befindet sich auf der einen Seite der Membran also Wasser, das mehr Salze, Zucker und ähnliche Stoffe enthält, zieht es sozusagen „ärmeres“ Wasser durch diese Membran an. Wir kennen das Prinzip von Radieschen, die schon ein bisschen schrumpelig sind. Legen wir diese in eine Schüssel voller Wasser, ziehen sie das Wasser an und werden wieder prall und knackig.

Die Wasserschlucker Salz und Zucker

Und genau so wie die osmotischen Abführmittel funktionieren eben auch die Stuhlweichmacher: Sie enthalten bestimmte Salze, Zucker oder winzige Molekülketten, die als „Wasser-Ziehmittel“ dienen. Sie ziehen das Wasser aus dem umliegenden Gewebe in den Darm, wo es sich mit dem Darminhalt vermischt und diesen weicher (und gleichzeitig voluminöser) macht. Wenn die Wirkung auf Salzen beruht – wie bei dem berüchtigten Glaubersalz –, setzt der Effekt oft ziemlich plötzlich und heftig ein. Das kann unangenehm werden und zu Bauchschmerzen und Durchfall führen. Bei häufigerer Einnahme kann es passieren, dass der Salz- bzw. Elektrolythaushalt unseres Körpers ganz schön durcheinandergewirbelt wird.

Lactulose als Abführmittel

Nicht nur süßer, sondern auch sanfter wirken die Mittel, die auf Zucker setzen. Der bekannteste Abführzucker ist die Lactulose, die aus dem Milchzucker Laktose entsteht. Sie zieht nicht nur Wasser an, sondern dient gleichzeitig als leckeres Futter für die Darmbakterien, die daraufhin aktiv werden und beim Weichmachen des Darminhalts mit anpacken oder die Darmwand zur Bewegung sozusagen anschubsen. Das Problem: Wenn die Bakterien zu viel Lactulose bekommen oder wenn die Lactulose von den falschen Bakterien gefuttert wird, dann kann es zu unangenehmer Gasbildung, Blähungen und Bauchweh kommen. Wegen dieser Nebenwirkungen sollte man Lactulose nur vorsichtig dosiert einsetzen. Auch viele Obstsorten enthalten von Natur aus osmotisch wirkende Abführstoffe und regen die Verdauung an, indem sie Wasser anziehen und den Stuhl dadurch weicher machen. So beruht zum Beispiel der verdauungsfördernde Effekt von Pflaumen, Birnen und Äpfeln auf dem enthaltenen Abführzucker Sorbit – der auch dafür verantwortlich ist, dass man von zu viel Apfelsaft Durchfall bekommen kann.

Wann kommen Abführmittel zum Einsatz?

Wer trotz einer ballaststoffreicheren Ernährung, viel Flüssigkeit und ausreichend Bewegung weiter anhaltend an einer Verstopfung (Obstipation) hilft kann nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt oder der Ärztin zu Abführmitteln greifen.

Schicke Molekülketten machen das Leben leichter – isoosmotische Abführmittel mit Macrogol

Die am besten verträglichen Abführstoffe sind kleine Molekülketten wie etwa Polyethylenglykol (PEG), auch Macrogol genannt. Sie bringen weder den Salzhaushalt durcheinander wie Salze noch verursachen sie Blähungen wie Zucker. Macrogol gilt unter den Stuhlweichmachern als das Mittel der ersten Wahl – übrigens auch bei Kindern, die unter akuter oder chronischer Verstopfung leiden.

Die Funktionsweise entspricht der bereits erklärten: Macrogol bindet Wasser, das im Nahrungsbrei vorhanden ist, hält es im Darm fest und macht den Stuhl somit weicher. Gleichzeitig erhöht es das Stuhlvolumen, regt dadurch die Darmtätigkeit an und wirkt abführend. Und das so gut wie ohne Nebenwirkungen! Macrogol wird nämlich nicht über die Darmschleimhaut aufgenommen. Es passiert den Darm unverändert und wird nach erledigter Arbeit wieder ausgeschieden. Weil Macrogol lediglich physikalisch wirkt – also nicht am Stoffwechsel beteiligt ist – tritt auch kein Gewöhnungseffekt ein – bingo!

Wie wirkt Macrogol?

Macrogol fördert sanft die Darmentleerung, ohne dass Krämpfe oder Bauchschmerzen entstehen. Macrogol entfaltet seine Wirkung nach zwölf bis 48 Stunden. Es hilft bei Verstopfung, indem er harten Stuhl auf rein physikalische Weise aufweicht. Der „Weichmachereffekt“ sorgt dafür, dass schmerzhaftes Pressen und möglicherweise sogar Verletzungen am Anus ab sofort der Vergangenheit angehören.

Stuhlweichmacher eignen sich übrigens auch ganz besonders zur Behandlung, wenn Sie Anstrengungen beim Toilettengang vermeiden müssen, weil Sie zum Beispiel Hämorrhoiden haben, an einer Analfissur (schmerzhafter Längsriss im Analkanal) leiden oder erst vor kurzem am Bauch operiert worden sind.

Zuletzt aktualisiert am: 17.06.2021
Veröffentlicht am: 25.06.2021

Quellenverzeichnis
  1. 1 Andresen, V. et al. (2013). S2k-Leitlinie Chronische Obstipation: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie. Z Gastroenterol 2013; 51:651–672 Deutschland, Stuttgart / USA, New York: © Georg Thieme Verlag KG. Verfügbar unter DOI http://dx.doi.org/10.1055/s-0033-1335808.
  2. Gotfried, J. (März 2020). Verstopfung bei Erwachsenen. Lewis Katz School of Medicine at Temple University. Abgerufen am 11.05.2021 über https://www.msdmanuals.com/de-de/heim/verdauungsst%C3%B6rungen/symptome-von-verdauungsst%C3%B6rungen/verstopfung-bei-erwachsenen
  3. Müller, C. (ohne Datum) Pharmakologie. Abgerufen am 11.05.2021 über https://www.thieme.de/viostatics/media/vio-2/final/de/media/pruefung/pharmakologie-skript_christina_mueller-bearbeitet-saho.pdf
  4. Pharmawiki (16.08.2019). Docusat-Natrium. Abgerufen am 11.05.2021 über https://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Docusat-Natrium
  5. Pharmawiki (12.07.2020). Paraffin als Abführmittel. Abgerufen am 11.05.2021 über https://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Paraffin%20als%20Abf%C3%BChrmittel

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