Von sanft bis stark: Abführmittel im Überblick

Mit diesen Mitteln gegen Verstopfung verdünnisiert sich der Kot
Abführmittel Titelbild

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Es ist wie verhext: Sie trinken literweise Wasser, Ihre Oberschenkel gleichen denen eines Marathonläufers und Sie können bereits 50 Pflaumenarten am Geschmack erkennen. Trotzdem läuft es auf der Toilette nicht? Nicht verzagen! Gegen Verstopfung ist nicht nur ein Kraut, sondern ein ganzer Kräutergarten gewachsen: Abführmittel mit unterschiedlichen Wirkungsweisen. Damit Sie nicht eine Runde Abführroulette starten, zeigen wir Ihnen, welche Abführmittel es gibt und wie sie wirken.

Wenn ballaststoffreiche Ernährung oder ausreichende Bewegung nicht mehr helfen, um einen lahmen Darm wieder auf Touren zu bringen, ist ihre große Stunde gekommen: Abführmittel aller Couleur, das heißt mit unterschiedlichen Anwendungs- und Wirkungsprinzipien. In großen Lettern versprechen Laxantien (medizinisch korrekt für Abführmittel) rasche Hilfe bei Verstopfung. Die gute Nachricht: Sie behalten in der Regel recht und sorgen mit unterschiedlichen Hebeln dafür, dass sich der festsitzende Kot im wahrsten Sinne des Wortes wieder verdünnisiert. Die schlechte Nachricht: Es gibt so viele unterschiedliche Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel und Medizinprodukte gegen Verstopfung, dass es schwerfällt, das passende Abführmittel zu wählen, das genau das richtige Maß an Rüstzeug mitbringt, aber nicht unnötig Munition verschießt. Denn wie jedes Medikament und Medizinprodukt können auch Abführmittel Nebenwirkungen im Gepäck mit sich tragen. Und wer trägt schon gerne unnötige Lasten mit sich herum?

In unserem Überblick erfahren Sie mehr zu den unterschiedlichen Arten, Wirkungsweisen und Nebenwirkungen von Abführmitteln bei Verstopfung. Unser Credo lautet dabei immer: von sanft zu stark. Die erste Frage dementsprechend: Wann sind Hausmittel nicht mehr genug?

Wann helfen Hausmittel nicht mehr und es kann zu abführenden Medikamenten gegriffen werden? 

So sanft und natürlich viele Abführmittel auch sind, dürfen wir uns nicht der Illusion hingeben, dass es sich hierbei nicht um echte Medikamente oder Medizinprodukte handelt. Vor der Frage nach dem richtigen Abführmittel sollten Sie eine kleine innere Checkliste gewisser Hausmittel gegen Verstopfung sowie einiger Symptome durchgehen. Wenn Sie diese kleine Checkliste mehrheitlich mit einem Ja beantworten können, wenden wir uns unmittelbar dem Thema Abführmittel zu: 

Sie tun Ihrem Körper Gutes: 

  • Sie trinken täglich zwei bis drei Liter Wasser.
  • Sie bewegen sich pro Tag aktiv für mindestens eine halbe Stunde.
  • Sie gönnen sich Entspannung und Ruhe, am besten in Verbindung mit Wärme.

Sie greifen allgemein auf ballaststoffreiche Nahrungsmittel zurück:

  • Ihre neuen Freunde heißen Trockenfrüchte.
  • Sie haben die Zauberkräfte von koffeinhaltiger Kaffee, Kamillentee und Olivenöl getestet.
  • Darmgesunde Nahrungsmittel wie Sauerkraut und Milchprodukte stehen auf dem Speiseplan.   

Wenn Sie die oben genannten Hausmittel einfach machtlos sind, ist es Zeit für das nächste Kapitel. 

Wichtiger Hinweis: Unsere kleine Hausmittel-Checkliste ersetzt keinen Arztbesuch und ist nicht zur Selbstdiagnose geeignet. Wie immer gilt: im Zweifel ab zum Arzt oder zur Ärztin. Starke Schmerzen oder eine anhaltende Veränderung Ihrer Stuhlgewohnheiten sollten Sie lieber mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprechen.

Welche Arten von Abführmitteln gibt es? 

Abführmittel ist nicht gleich Abführmittel. Nach ihrem Wirkmechanismus unterscheidet man Abführmittel in Quellstoffe, Gleitmittel sowie osmotisch (wasserziehend) wirkende Substanzen und stimulatorische Medikamente gegen Verstopfung.  

Quellstoffe: Die natürliche Option für milde Verstopfung  

Wie der Name bereits verrät, quellen diese Wirkstoffe, die beispielsweise in Weizenkleie, Leinsamen und Flohsamen enthalten sind, in Wasser auf. Und hier haben wir bereits ein wichtiges Stichwort: Wasser! Wenn Sie zu Quellstoffen greifen, müssen Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten, da sich sonst starke Blähungen einstellen können. Wenn Sie dies beherzigen, erzeugen natürliche Quellstoffe weicheren und voluminöseren Stuhl, der sich besser ausscheiden lässt. Durch und durch natürlich, lokal wirksam und nahezu frei von Nebenwirkungen. Besser könnte es nicht sein, oder? 

Der einzige Haken besteht darin, dass Sie der Natur Zeit geben müssen, damit sie vollends wirken kann. Die Wirkung von Flohsamen, Weizenkleie und Leinsamen setzt in der Regel erst nach ein bis drei Tagen ein. Dementsprechend wird bei einem Darmverschluss, Blut im Stuhl und sehr hartem Stuhl von der Einnahme von Quellstoffen unbedingt abgeraten. Auch hier gilt es frühzeitig einen Arzt oder eine Ärztin zu konsultieren. Nur diese:r kann gemeinsam mit Ihnen den Ursachen auf den Grund gehen.

Salinische Abführmittel: Lokal, planbar und sanft 

Salinische Abführmittel (medizinisch auch Osmolaxanzien) gehören zu der großen Gruppe von Medikamenten gegen Verstopfung, die direkt auf die Flüssigkeitsmenge im Darm einwirken. Der wasserziehende (osmotische) Wirkstoff transferiert über eine erhöhte Salzkonzentration Wasser aus den Blutgefäßen und dem umliegenden Gewebe in den Darm. Der Kot wird derart aufgequellt, dass der Darm – vereinfacht gesagt – diesen Batzen an Kot einfach nur noch loswerden will. Ganz nach dem Motto: „Bloß raus damit!“ Damit wirken salinische Abführmittel genau dort, wo es drückt, nämlich physikalisch und nicht pharmakologisch im Darm. Das birgt den Vorteil, dass osmotische Abführmittel allgemein seltener Nebenwirkungen verursachen. 

Isoosmotischer Wirkstoff Macrogol: Kurzfristige Durchschlagskraft auf sanfte Art

Als besonders gut verträglich gelten isoosmotische Abführmittel, die auf Macrogol zurückgreifen. Dieser Wirkstoff besitzt eine besonders hohe Wasserbindungsfähigkeit und erhöht so das Stuhlvolumen. Macrogol gehört damit zu den stark wirksamen Wirkstoffen gegen Verstopfung, die sogar gezielt vor Darmreinigungen eingesetzt werden.

Osmotische Wirkstoffe Lactose, Lactulose & Sorbitol: Blähungen statt Verstopfung  

Als weiterer osmotischer Wirkstoff reiht sich die Gruppe um die Zuckeralkohole und Milchzucker ein. Sie binden im Darm Wasser und fördern die Vermehrung von Darmbakterien, die zur Abführwirkung beitragen. So weit, so gut, allerdings blähen diese Bakterien den Darm regelrecht auf, was sich zuweilen lautstark äußert. Nämlich mit dem einen oder anderen Pups. Osmolaxanzien auf Grundlage dieser Wirkstoffe sollten daher nur dann bei einer Langzeitanwendung eingenommen werden, wenn etwaige Nebenwirkungen wie Blähungen und Durchfall weitgehend ausbleiben. Beachten Sie bei den entsprechenden Medizinprodukten bitte immer die beiliegende Packungsbeilage und wenden Sie sich im Zweifel immer an Ihren behandelnen Arzt oder Ärztin.

Osmotische Wirkstoffe Glauber- und Bittersalz: Nur für starke Geschmacksnerven 

Salinischen Abführmitteln, die auf Glauber- und Bittersalz bauen, können wir bei der kurzfristigen Behandlung einer Obstipation ohne Frage eine hohe Wirksamkeit bescheinigen. Die Einnahme ist allerdings Geschmackssache: Glauber- und Bittersalze schmecken furchtbar. Doch nicht nur die Geschmacksrezeptoren können empfindlich reagieren, sondern auch Organe wie Niere und Herz. Bei Nieren- oder Herzschwäche sowie Bluthochdruck ist auf jeden Fall Vorsicht geboten – und ein Arzt oder eine Ärztin zu konsultieren.

Gleitmittel: Für den kurzfristigen Einsatz bei unempfindlichen Gemütern 

Für einen kurzzeitigen Einsatz bei einer leichten oder mittleren Verstopfung sind Gleitmittel, das heißt Paraffin oder Glycerin, eine Option, um eine Verstopfung schnell wieder in den Griff zu bekommen. Das Öl – oral eingenommen – weicht den Darminhalt auf und steigert seine Gleitfähigkeit. Allerdings, und hier kommt schon der Haken, kann es bei längerer Anwendung zu erheblichen Nebenwirkungen kommen. Glycerin kann zu Reizungen der Enddarmschleimhaut führen, Paraffin steht im Verdacht, einen Mangel an fettlöslichen Vitaminen – wie zum Beispiel Vitamin A, E, D, und K – sowie Hautschäden im Analbereich auszulösen. Außerdem, und das möchte wirklich niemand, kann sich bei einer Dauermedikation Paraffin im Körper ablagern.

Hydragoge oder stimulatorische Abführmittel: Nur mit Vorsicht zu genießen  

Gemäß unserem Credo „von sanft zu stark“ erwähnen wir zuletzt – und auch nur mit dem Hinweis, hier äußerste Vorsicht walten zu lassen – die stimulatorischen Abführmittel. Diese Gruppe von Medikamenten gegen Verstopfung (medizinisch korrekt Hydragoge) fördert die Darmbewegung massiv und kann sowohl chemischen als auch natürlichen Ursprungs sein. 

Was harmlos klingt, benötigt heftige Geschütze: Hydragoge, wie zum Beispiel Senna, Aloe, Rizinus oder auch die Wirkstoffe Bisacodyl und Natriumpicosulfat, sind extrem wirksam, schießen aber bei milden und mittleren Fällen der Verstopfung weit über das Ziel hinaus. Bildlich umschrieben setzen die Hydragoge in Form kleiner Kügelchen an die Rezeptoren des Darms, um Signale zur erhöhten Wasseraufnahme an die Nervenzellen zu senden. Bei einer zu häufigen Einnahme von stimulatorischen Abführmitteln kann schnell eine Überreizung der Nerven entstehen. Außerdem besteht die Gefahr eines Kaliumverlustes, wodurch einer starken Verstopfung Vorschub geleistet wäre. Ein Teufelskreis, aber leider nicht der einzige: Aufgrund ihrer sehr starken Wirksamkeit gehören Hydragoge zu jenen Abführmitteln, bei denen sehr schnell eine Abhängigkeit eintreten kann. Sie sollten daher nur unter genauer ärztlicher Aufsicht eingenommen werden.   

Welche Medikamente gegen Verstopfung sind die richtigen für mich? 

Gemäß unserem Credo „von sanft zu stark“, sollten Sie immer das Medikament oder Medizinprodukt gegen Verstopfung wählen, das so stark wie nötig, aber so sanft wie möglich in Ihre Darmtätigkeiten eingreift. Was also zählt, ist die Verhältnismäßigkeit. Wer das Zeug dazu hat, Ihr persönlicher Retter in der Not zu werden? Das hängt von der Stärke Ihrer Verstopfung, etwaigen Unverträglichkeiten oder Vorerkrankungen, aber auch Vorlieben der Verabreichungsform ab.

Wir weisen noch einmal ausdrücklich darauf hin, dass Sie Medizinprodukte und Arzneimittel – vor allem aber nicht ausschließlich jene mit starker Wirkung – niemals unbedacht einnehmen sollten. Unser Anliegen ist es lediglich, über die unterschiedlichen Wirkungsweisen der auf dem Markt erhältlichen Laxantien einen Überblick zu geben. Informieren Sie sich bitte vorab immer bei Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin oder dem Apotheker/der Apothekerin.

Quellenverzeichnis
  • Astrid Leitner (Juli 2017). Abführmittel. Abgerufen am 06.04.2021 über https://www.netdoktor.at/therapie/abfuehrmittel-laxanzien-5033461
  • Yvette Brazier (25.09.2019). Laxatives for constipation: All you need to know. Abgerufen am 06.04.2021 über https://www.health.harvard.edu/diseases-and-conditions/dont-bomb-the-bowel-with-laxatives

Zuletzt aktualisiert am: 21.04.2021
Hochgeladen am: 21.04.2021

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